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Sprache ist eine seltsame Sache. Sie ist einfach da, niemand hat sie erfunden, sie wandelt sich in jedem Moment und sie festzuhalten wäre sie zu töten. Trotzdem verstehen sich Menschen, die eine gleiche Sprache sprechen.



Wann beherrscht man eine Sprache? Diese Frage war für mich vor kurzem das Thema einer lockeren Diskussion an einem Fest. Ich sprach Französisch, die Sprache meines Studienalltags. Ich wüsste nicht, in welchem Moment ich dazu übergegangen bin, nicht mehr Deutsch zu denken und Französisch zu sprechen, sondern beides auf Französisch zu tun. Es war ein mühsamer Prozess gewesen, die Sprache in der Schule in all seiner grammatischen Subtilität zu lernen und doch fällt es mir kaum auf, wenn ich diese Regeln jetzt verwende. Ja, ich habe den Übergang von "Französisch lernen" zu "Französisch sprechen" nicht bewusst erlebt.



Es hat sich eine Selbstverständlichkeit entwickelt, mit der ich die Sprache benutze, ohne mir jedoch immer bewusst zu sein, ob die formalen Aspekte auch wirklich korrekt sind. Die Regeln sind in den Hintergrund gerückt und ihr falscher Gebrauch erkenne ich immer mehr am blossen hören - ich habe eine Intuition erlangt, die anfängt, sich meiner Intuition für die Muttersprache Deutsch anzunähern. Das geschah, ohne dass ich mich genauer mit der französischen Sprache auseinandergesetzt hätte. Ich studiere Politikwissenschaften, die Vorlesungen und die Lektüre sind auf Französisch, das Alltagsleben spielt sich zu einem grossen Teil in dieser Sprache ab. Und plötzlich ist sie da und ich verstehe sie, ohne dass ich mir weiterhin Mühe mit Wörterlisten und Grammatikbüchern hätte geben müssen.



Immer wieder komme ich in Situationen, in denen mir keine deutsche Entsprechung für ein Wort einfällt. Ich verstehe es trotzdem, ich weiss genau, was es bedeutet, kann es umschreiben, mich ihm annähern. Und doch fehlt mir das präzise Wort, das bezeichnet, was das Französische ausdrückt. Ich frage mich manchmal, ob Übersetzungen überhaupt möglich sind, denn ein Wort hat nicht nur eine Bedeutung, es hat auch eine Form, einen Klang und eine Geschichte. Auch ohne sie zu kennen, scheint bei ihrer Aussprache oft mehr mitzuschwingen als was einem ein Wörterbuch angeben könnte. Da stellt sich doch die Frage, ob ich Französisch überhaupt wirklich verstehen kann, wenn es nicht meine Muttersprache ist. Woran erkenne ich plötzlich, was ein Wort aussagt, obwohl ich seine Wörterbuchbedeutung nicht kenne?



Und schliesslich gibt es auch die Sprache als Mittel der politischen Propaganda. Ein Kontrollinstrument des Totalitarismus. Oder wie Victor Klemperer in seiner LTI sagt: "Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da." Würde jemand, der keine philologische Bildung hat oder nicht muttersprachlich ist, überhaupt merken, wie eine Sprache vergewaltigt wird, wie es im Nationalsozialismus geschehen ist? Sind wir überhaupt fähig, diese kleinen Veränderungen, die unsere unmittelbare Gedanken- und Gefühlswelt betreffen, zu bemerken und uns dagegen zu wehren?

Und stimmt es nicht vielleicht doch, dass die Grenzen unserer Sprache auch die Grenzen unserer Welt sind?

15.3.05 16:37


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Willkommen!



Mal sehen, was aus diesem Experiment wird.



ähm - und erspart euch bitte Spamkommentare hier. Ich bin ein mündiger Mensch und kann selbst entscheiden, was ich tun werde und was nicht. Vorderhand reicht es mir, meine Gedanken hier niederzuschreiben und mit Freunden darüber zu reden, wenn es sie interessiert.
15.3.05 23:20


"Finding Neverland" ist ein fazinierendes Stück Kino. Kaum jemand verliess das Kino nicht gerührt und überschwemmt von der Bilderwelt, der Phantasie dieses Mannes, der nicht erwachsen werden wollte. Und wer dachte sich nicht dabei, es wäre doch schön, Kind bleiben zu können? Sorglos zu spielen, zu träumen, zu fantasieren?



Man hört ja oft, wie toll es als Kind gewesen war, wie die Erwachsenen doch das wichtige, das essentielle der Welt verpassen würden. Wir hätten verlernt zu staunen, uns zu freuen, ja, zu leben. Aber würden wir wirklich immer Kinder bleiben wollen? Ideal ist wohl, beides kombinieren zu können, die Lebensfreude, die Neugier der Kinder und die breitere Wahrnehmung der Erwachsenen. Aber ist das möglich?



Ich erinnere mich, wie unser Grundschullehrer in der 6. Klasse über die Pubertät erzählte. Eine Aussage ist mir besonders geblieben. Er sagte: "Euer Horizont wird erweitert." Ich fand diese Aussage so schwachsinnig damals. Ich dachte, ich würde die Welt sehen, ich würde doch schon genug breit denken.

Doch der Lehrer hatte recht. Mit dem Fortschreiten meiner Ausbildung wurde ich immer wieder mit neuen Gedanken, Ideen, Theorien, Modellen konfrontiert und zuweilen hatte ich den Eindruck, mein Horizont würde sich täglich dramatisch erweitern. Es gibt so viel zu Wissen, zu erfahren, zu entdecken, dass ich nie das Gefühl hatte, die kleine Welt meiner Kindertage würde mir noch ausreichen können.



Für jede Frage, auf die ich eine Antwort, oder den Teil einer Antwort finde, tauchen mindestens zwei neue auf, die wieder beantwortet werden möchten. Und wenn ich ehrlich bin - ich fände es ernüchternd, wenn ich plötzlich eines Tages auf eine Weltformel stossen würde, die meine wissbegier, mein Staunen über die Komplexität der Welt stoppen würde.

Wie traurig muss es sein, in einer schwarz/weissen Welt zu leben? In der alles seinen festen Platz, seine klare Erklärung hat?



Ich bin abgeschweift. Ich wollte über Kinder und Erwachsene, über die Phantasie und das Staunen schreiben. Darüber dass ich gerne erwachsen bin und es mir trotzdem Angst macht, weil es so viel ist, das man zu tragen hat und gleichzeitig jeden Tag aufs neue überrascht.
16.3.05 12:10


Langsam wird es Frühling. Kaum zu glauben, dass es noch vor zwei Wochen das letzte Mal geschneit hat. Und doch scheinen wir in einer Art Zwischenzeit festzuhangen. Das Wetter ist zwar warm und freundlich, aber die Wiesen sind noch leer und die Bäume kahl. Es ist, als ob der Winter noch nicht vergangen wäre, obwohl alles Richtung Frühling drückt. Eine Zwischenjahreszeit - zwischen Winter und Frühling, ein Niemandsland. Das selbe gibt es auch im November, bevor der Winter endgültig kommt und sich der Herbst schon lange verabschiedet hat.

Wie lange dauert diese Zeit, bis man sie wieder einordnen kann? Ich frage mich, weil ich es nicht weiss. Oft seh ich gar nicht, wie die Bäume spriessen und anfangen zu wachsen. Ich merke plötzlich eines Tages, dass sie wieder grün sind und es erscheint kaum mehr vorstellbar, dass sie es einmal nicht waren... obwohl sie ihre Blätter Herbst für Herbst wieder verlieren.

Und bald ist Ostern. Aber dazu ein andermal.
18.3.05 21:12


Im Moment scheint es gerade Mode zu sein, alles und jedes auf seine Wirtschaftlichkeit zu testen. Sparen, Straffen, Optimieren. Ich finde diese Tendenz sehr fragwürdig und eindimensional. Wenn alles nur noch nach den Kriterien "rentabel"/"nicht-rentabel" (um mich mal ganz leicht an Luhmanns Systemfunktionalismus anzulehnen) bewertet wird, verliert das Leben an Qualität und die Welt an Farbigkeit. Es gibt so viele Dinge, die nicht rentabel sind, aber trotzdem ihre Existenzberechtigung haben. Ganz einfach, weil sie Spass machen, weil sie das Leben lebenswert machen, weil sie Freude machen. Ist Kunst rentabel? Lohnt es sich, Leuten Stipendien zu bezahlen, damit sie an eine Kunstschule gehen können oder Philosophie studieren?



Ich erinnere mich auch immer wieder an eine der schönsten Stellen aus dem Steppenwolf von Hesse. Am Ende des Traktats vom Steppenwolf erklärt der mysteriöse Autor, dass die Welt sich nicht in einen plumpen Dualismus auflösen könne, dass sich der westliche Mensch irrt, wenn er es tut. Sein Beispiel ist sehr schön und eindrücklich: Wie würde ein Garten aussehen, in dem alle Pflanzen nur nach "geniessbar"/"ungeniessbar" klassiert würde? Sind es nicht gerade die schönsten Blumen, die ungeniessbar sind und keinen anderen Wert als einen ästhetischen haben?



Ausserdem ist das "rentabel"/"unrentabel" denken sehr kurzfristig. Welche Auswirkungen diese Entscheidungen längerfristig haben, werden meist ausser acht gelassen. Denn irgendwann lässt sich Rentabilität nicht mehr berechnen. Denken wir nur an die ganzen Umweltprobleme, mit denen wir heute zu kämpfen haben, oder die uns drohen, wenn wir so weitermachen wie bisher.



Ja, und es gibt ja auch Berufe, die für die Gesellschaft wichtig und notwendig sind, ohne dass sie eine direkte Rentabilität haben. Welchen Sinn haben Philosophen? Ich weiss nicht, welchen Sinn sie haben, aber doch wäre unsere Gesellschaft nie da, wo sie jetzt ist, hätte es nicht immer wieder Menschen gegeben, die über sie reflektiert haben - sei es als Wissenschaftler oder als Schriftstellerin. Ich glaube, es war nicht umsonst so, dass die Nazis versucht haben, die "Intelligenzia" und die "Schöngeistigkeit" als entartet und Quell allen Übels hinzustellen. Denn wenn die Massen denken, lassen sie sich nicht so leicht verführen. Ja, auch Philosophen, Soziologinnen, Psychologen und Germanistinnen haben einen Platz in der Gesellschaft. Sie bilden ein Grundgerüst, eine Selbstbeobachtung, die nötig ist, um Gefahren für das Gleichgewicht zu finden.

Es würde sich auch ohne sie einpendeln, die Frage ist nur, zu welchem Preis.
20.3.05 17:51


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