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Ausflug in die französische Literatur

Ich bin gerade daran, eine etwas peinlich Bildungslücke zu füllen. Ich studiere im 4. Jahr im französischsprachigen Raum und hatte vorher bereits 6 1/2 Jahre Französischunterricht. Trotzdem ist die französische Literatur für mich ein unbeschriebenes Blatt. In der Schule hatten wir wegen der Krankheit unserer Französischlehrerin über ein halbes Jahr lang keinen richtigen Unterricht und dementsprechend keine Literaturbildung.

Ich habe vor kurzem endlich die Stadtbibliothek von Genf entdeckt und mache mich nun daran, ein paar Klassiker zu lesen. Ich gehe dabei nicht nach Kanon vor, sondern wonach mir gerade ist, welche Bücher mir zur Verfügung stehen usw.

Das erste Buch, das ich gelesen hatte, war von
Charles-Ferdinand Ramuz, "Jean-Luc persécuté.

Ramuz war ein Westschweizer Autor um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert). Er ist besonders bekannt für seine Bücher über die Berge. Jean-Luc persécuté ist eine dieser Novellen.
Es handelt von einem Mann, der eines kalten Novembertages durch Zufall bemerkt, dass seine Frau ihn betrügt. Der Leser erfährt dann, als er seine Frau konfrontiert, dass ihr Herz schon immer einem anderen Mann gehört habe und er sie in diesem Wissen trotzdem geheiratet hatte. In seiner Wut nimmt er das gemeinsame Kind mit zu seiner Mutter und verlässt seine Frau. Im Frühling kehrt er jedoch wieder zurück, weil sie scheinbar Reue zeigt und alles scheint wieder gut.
Doch bald darauf erfährt er, dass der Geliebte seiner Frau wieder im Dorf ist - und nach langem hin und her vermutet er plötzlich, dass sie ihn wieder betrügt. Sie spielt jedoch weiterhin die brave Ehefrau und erzählt ihm, sie sei schwanger. Sie ist tatsächlich schwanger, allerdings weiss er nicht von wem. Das beichtet sie ihm, nachdem er sie zwingt, bei Gott zu schwören. (Die Leute in den Bergen sind schliesslich gläubig)
Er jagt sie zum Teufel, behält das erste Kind aber bei sich - "eines für mich, eines für dich". Alles läuft eine Weile gut - bis eine maskierte Person zum Fasching ihm den Zweifel in den Kopf setzt, ob das erste Kind wirklich von ihm ist. Von diesem Moment an geht alles den Berg hinunter. Erst wird er zum Säufer, bis sein Kind im See vor dem Haus ertrinkt. Dann wird er wahnsinnig, weil er glaubt, das Kind würde noch leben. Die Katastrophe ereignet sich schliesslich, als seine Frau wieder im Dorf auftaucht, weil sie das Haus ihres Vaters geerbt hat. Jean-Luc, der Verrückte, glaubt, das erste Kind hätte sich versteckt. Er bittet erst den Liebhaber, dann die Frau persönlich, sie soll das Dorf verlassen, sonst würde etwas schlimmes passieren. Sie antwortet jedoch bloss, dass sie das Recht hätte, im Dorf zu wohnen wie er auch. Daraufhin sperrt er sie mit ihrem zweiten Kind in einen Heustall ein und zündet diesen an. Er flüchtet und springt schliesslich über einen Felsen in den Tod.

Das spannende an dieser Novelle sind die wahrscheinlich ziemlich authentischen Schilderungen der Natur und des Dorflebens zu dieser Zeit in den westlichen Schweizeralpen. Ich fand die Geschichte zuweilen etwas deprimierend, weil sie quasi den Weg eines Menschen ins Verderben zeichnet. Ausserdem konnte ich mich nicht entscheiden, wer nun eigentlich Schuld an diesem Schlamassel war.

Das zweite Buch, das ich gelesen habe, war
Jules Verne, Voyage au centre de la terre

Ich hatte dieses Buch schon vor längerer Zeit zum Geburtstag geschenkt bekommen und es bisher nie gelesen. Den Inhalt muss ich hier wohl nicht beschreiben, da das Buch doch sehr bekannt ist. (Ansonsten - Wikipedia hat eine Zusammenfassung)

Die Geschichte fand ich mässig interessant, da mir die Protagonisten alle nicht sonderlich sympathisch waren - viel zu "klugscheisserisch". Allerdings bietet das Buch einen sehr interessanten Einblick in den "esprit du temps" des 20. Jahrunderts. Der Professor Lidenbrock ist quasi der Nachfolger eines Humboldt - der "savant-voyageur". Es war die Zeit der grossen Abenteuerreisen, der grossen wissenschaftlichen Entdeckungen.
Da Geographie mein Nebenfach ist, bin ich diesem 19. Jahrhundert, in dem die Erdwissenschafter die Stars am Gelehrtenhimmel waren, natürlich mehrfach begegnet. Ich fühlte mich sehr stark an meine Vorlesungen in klassischer Geographie oder in Geschichte und Erkenntnislehre der Geographie erinnert.
Trotz seines offensichtlich pädagogischen Anspruchs - die Belehrung des belesenen Bürgertums, wie sie im 19. Jahrhundert Hochkonjunktur hatte - konnte ich dem Buch nicht viel mehr als persönliche Belustigung abgewinnen. Einige der Informationen, wie die Beschreibung Islands Mitte des 19. Jahrhunderts oder die geologische Schichtung des oberen Teils der Erdkruste.

Etwas irritiert war ich ob des "Science-Fiction-Aspekts" des Romans. Ich fand es sehr gewagt, harte wissenschaftliche Fakten (zumindest zum Stand jener Zeit) so unverfroren mit der eigenen Fantasie zu mischen. Als aufmerksame Leserin glaube ich zumindest meistens den Punkt erkannt zu haben, wo er das Terrain der "echten Wissenschaft" verlässt. Ich bezweifle jedoch, dass dies jedem Leser mühelos gelingt und ich könnte mir vorstellen, dass sie einige doch ziemlich verraten vorkamen, als sie erfuhren, dass es im Krater des Sneffels in Island keinen Tunnel zum Mittelpunkt der Erde gibt.
Beeindruckt war ich in diesem Zusammenhang hingegen wieder, wie Jules Verne es geschafft hat, diese Reise auf der Basis einer unglaublichen Theorie zu konstruieren und trotzdem in seinem Buch die Botschaft zu vermitteln dass er (durch den Mund des Ich-Erzählers Axel) nicht an die Wahrheit dieser Theorie glaubt, sondern denkt, dass es sich dabei um eine seltsame Ausnahme handelt.

Als hingegen die beiden kämpfenden Meeresssaurier auftauchten, dachte ich, ich les nicht richtig. Das kam mir echt billig vor. Effekthascherei.

Alles in allem kann ich zumindest dieses Buch von Jules Verne jedem empfehlen, der einen Einblick in die Denkweise des Bildungsbürgertums des 19. Jahrhunderts erhalten möchte. Ausserdem allen, die ein unterhaltsames Buch mit wissenschaftlichen Kuriositäten lesen wollen. Immerhin gilt Jules Verne heute als erster Science-Fiction-Autor. Ansonsten ist das Buch nix besonderes und auf jeden Fall schnell gelesen.

Das Buch hat mich insofern neugierig gemacht, dass ich wissen wollte, was dahinter steckt:
Arne Saknussemm ist eine fiktive Person - es gibt aber einen Arne Magnussen, der zu ungefähr dieser Zeit gelebt hat und isländische Sagas aufgeschrieben hat.
Graüben ist ein fiktiver Vorname - jedenfalls habe ich bei Google keinen Hinweis darauf gefunden, dass er ausserhalb von Jules Verne als Mädchenname verwendet wurde. Es gibt jedoch eine Pflanze, die "so heisst.
12.11.05 17:38


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