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Madame Bovary

So, mein nächstes Buch ist gelesen:

Gustave Flaubert - Madame Bovary

Eine eigentliche "Geschichte" hat das Buch nicht. Es ist sowas wie die Biographie eines Ehepaars, Charles und Emma Bovary. Charles war ein Mama-Kind mit einem Idioten von einem Vater. Auch Charles wird nicht unbedingt als der intelligenteste dargestellt. Auf der Schule wird er für sein bäuerliches Verhalten gehänselt, die Ärzteschule schafft er erst im zweiten Anlauf, weil seine Mutter sein Leben so geplant hat. Auch geplant hat die Mutter, dass er eine reiche Witwe irgendwo in der Provinz heiratet und dort als Arzt praktiziert.
So richtig los gehts aber erst, als er Emmas Vaters Beinbruch erfolgreich behandelt. Charles trifft Emma und ist fasziniert von ihrer Schönheit - er ist aber noch mit seiner anderen Frau verheiratet. Das "Glück" kommt ihm zu Hilfe, als seine erste Frau bald darauf stirbt und Emmas Vater ihn dazu einlädt, öfter an seinem Hof vorbeizuschauen um sich über den Verlust zu trösten. Da verliebt sich Charles richtig in Emma und hält beim Vater um ihre Hand an. Er fragt sie und sie sagt ja.

Wenig später heiraten sie. Charles ist überglücklich, Emma jedoch fehlt etwas.
Sie hat eine Klosterschule besucht und hat sehr viele Romane gelesen. Sie weiss, dass sie schön ist, will immer nach der Mode gehen und hat mit den Bauern und Kleinbürgern in ihrem Umfeld wenig am Hut. Sie beginnt sich als Frau des Arztes schnell zu langweilen. Er gibt ihr nicht, was sie möchte. Weder interessante Gespräche über Kunst und Philosophie, noch die Möglichkeit, ihn heiss und innig zu lieben.
Denn Madame Bovary glaubt an die ewige, glühende Liebe wie sie in den romantischen Romanen beschrieben wird, die sie verschlingt.
Emma wird depressiv (so würde man das heute nennen) und ein Arzt empfiehlt Charles einen "Klimawechsel". Weil er seine Frau liebt, ziehen sie in ein anderes Kaff um, in dem sie dann auch bleiben.

Zuerst geht es Madame dort auch wirklich besser. Sie lernt Léon kennen, mit dem sie endlich die Gespräche führen kann, die sie mit ihrem Mann nicht führen konnte. Léon verliebt sich in sie. Sie jedoch möchte ihre Ehre wahren und weist ihn ihrer Familie zu Liebe zurück, obwohl sie das sehr betrübt.

Bald darauf lernt sie jedoch Roudolphe kennen. Ein Schürzenjäger, der sofort ein Auge auf sie wirft. Er verführt sie und sie lässt sich nicht lange bitten. Endlich die Liebe! Die Liebschaft dauert zwei Jahre, während denen Charles seine Frau mehr den je liebt. (Er glaubt, es ginge ihr seinetwegen so gut) Emma möchte mit Roudolphe durchbrennen, er verspricht ihr, dass sie zusammen in den Süden reisen, dass alles schon organisiert sei - nur um sie dann in einem Brief zu versetzen.

Über ein Jahr wird Emma apathisch nach dem Schock. Dann wird sie plötzlich fanatisch gläubig.

Eines schönen Tages lädt sie Charles ins Theater nach Rouen ein, um einen Opernsänger zu sehen. Auf diesem Ausflug trifft sie Léon wieder und fängt diesmal eine richtige Affäre mit ihm an. Sie ist überglücklich, erfindet Ausreden, warum sie nach Rouen fahren kann. Ihr Mann und sie fangen an, Schulden zu machen.

Eine Weile geht alles gut, aber auch der Liebhaber fängt an, Emma zu langweilien. Sie wartet praktisch auf den Schock, der sie trennen würde, weil sie nicht die Kraft hat, die Affäre zu beenden.
Plötzlich kommt auch noch der Gläubiger zu ihr und verlangt von ihr, dass sie alle Schulden sofort zurückbezahlt, sonst wird ihr ganzes Mobiliar gepfändet. Sie versucht verzweifelt, bei Léon, beim lokalen Notar, schliesslich sogar bei Roudolphe das Geld aufzutreiben, aber niemand hilft ihr. Ausserdem erfährt sie, dass Roudolphe sie nie wirklich geliebt hat. Sie schluckt Arsen und stirbt an den Folgen. (Der Verlauf der Vergiftung wird ziemlich detailiert geschildert)

Charles ist ein gebrochener Mann, nachdem sie stirbt. Er bezahlt die Schulden mit viel Mühe zurück und wird dabei übers Ohr gehauen. Er findet die Briefe von Roudolphe und Léon, ist noch betrübter, dass seine Frau ihn betrogen hat, liebt sie aber doch zu sehr um es ihr Übel zu nehmen. Er sitzt auf einer Bank vor dem Haus und stirbt.



Soweit in etwa die Haupthandlung. Natürlich gibt es da noch jede Menge Nebenfiguren.

Das Buch ist an sich sehr interessant. Einerseits konnte ich die Langeweile und die Verzweiflung von Emma Bovary verstehen, andererseits fand ich es aber auch sehr befremdlich, wie sehr sie an den Kitsch aus den Büchern glaubte. Hm, befremdlich ist vielleicht das falsche Wort. Ich kenne da leider lebende Beweise, die in die selbe Falle tappen wie sie. In vielerlei Hinsicht ist die Hauptfigur auch einfach eine ziemlich eingebildete Kuh.

Mit der Sprache hatte ich mehr Mühe. Flaubert beschreibt sehr exakt und es gab ganze Passagen, von denen ich einfach nichts verstanden hab, weil mir keines der Wörter bekannt vorkam. Ich konnte sie meistens als Beschreibungen der Kleidung oder der Umgebung identifizieren und in der Mode der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kenne ich mich halt nicht so aus.

Madame Bovary ist eine der Personen, die unglücklich ist, weil sie zu viel will. Weil sie glaubt, mehr zu sein, als sie ist und deshalb einen Lebensstil führt, den sie sich nicht leisten kann. Finanziell wie emotional. Die Quittung ist allerdings brutal.
Im Übrigen ist das Ende des Romans sehr zynisch. Die Bovarys sind beide tot, ihre Tochter lebt in Armut - und ihr Nachbar, der Apotheker Homais, ein Opportunist sondergleichen, erhält das Ehrenkreuz.

Das Buch ist empfehlenswert, allerdings würde ich eher die deutsche Übersetzung lesen, wenn man nicht sattelfest in seinem Französisch ist. Sonst ist es ziemlich hart zu lesen.
10.12.05 16:45


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