rarebs kleine Welt
  Startseite
    Euro 08
    Küche
    Politik
    Italiano
    Green Hell Blog Tour
    diverses
    Rezensionen
    Gedanken
    Hogwarts
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

Webnews



http://myblog.de/rareb

Gratis bloggen bei
myblog.de





Amélie Nothomb - "Hygiène de l'assassin"

Prétextat Tach, 83-jährig, Nobelpreisträger, hat noch zwei Monate zu leben. Er leidet am seltenen Elzenveiverplatz-Syndrom, eine Krebsform, die bisher ausschliesslich Lustmörder befallen hat. Niemand weiss, woher er diese Krankheit bekommen hat - ja, warum er bei seinem Lebenswandel (unglaublich fett, kann sich seit mehreren Jahren kaum mehr bewegen, Misanthrop, Einzelgänger, der Keuschheit verschrieben) überhaupt so alt werden konnte. Die Journalisten stehen trotz seines Rufs, ein unerträglicher Interviewpartner zu sein, Schlange um ein letztes Interview. Vier Journalisten und eine Journalistin erhalten schliesslich die Gelegenheit dazu.

Die vier Journalisten reisen gemeinsam an und warten jeweils in der Kneipe gegenüber der "Höhle" (eine dunkle Parterre-Wohnung irgendwo in Belgien) des Schriftstellers auf das Los des Kollegen. Alle vier lassen sich von Tach auf eine andere Weise fertigmachen. Der Reiz dieser Passagen liegt darin, auf eine fast voyeuristische Weise - das Buch besteht praktisch ausschliesslich aus Dialogen - mitzuerleben, wie die Journalisten versuchen, mit "normalen" Interviewmethoden an den alten Misanthropen heranzukommen, ohne seine Bücher wirklich gelesen zu haben
Er führt sie nach belieben vor, wettert, sinniert und schickt sie schliesslich alle weg. Es ist offensichtlich, dass es ihm grossen Spass bereitet, diese jungen Leute scheitern zu lassen.

Die Journalistin hingegen steigt auf sein Spiel ein und kehrt den Spiess um. Sie hat seine Bücher gelesen - und nicht nur das, sie glaubt, dass der einzige unvollendete Roman "Hygiène de l'assassin" Tachs keine Fiktion, sondern eine akribische Beschreibung eines Mordes ist, den er mit 17 Jahren begangen hat...

Das Buch ist manchmal etwas langatmig und das Ende etwas wirr. Dennoch alles in allem sehr lesenswert, vor allem die zynischen Ansichten über die Weltliteratur, die Nothomb ihrer Hauptfigur in den Mund legt.

z.B. seine Meinung über Methaphern: (Der erste Journalist glaubt, dass eine Person ein einem der Romane Tachs ein Bild des Autors sei und seine Tätigkeit, Wachsmasken der Gekreuzigten anzufertigen, sei metaphorisch gemeint)

Les gens ne savent rien des métaphores. C'est un mot qui se vend bien, parce qu'il a fier allure. "Metaphore": le dernier des illetrés sent que ça vient du grec. Un chic fou, ces étymologies bidons - bidons, vraiment: quand on connaît l'effroyable polysémie de la préposition meta et les neutralités factotum de verbe phero, on devrait, pour être de bonne foi, conclure que le mot "métaphore" signifie absoluement n'importe quoi.

Auch sehr witzig ist die (zu lang zu zitierende) Stelle, in der die beiden darüber sinnieren, dass alle den autobiographischen Roman als "symbolische Vertreibung aus dem Paradies" gehuldigt haben und niemand auf die Idee gekommen wäre, dass die Symbolik zufällig entstanden war. (Eine Symbolik, hinter der sich der Mörder auch ein bisschen versteckt)

Zusammengefasst: Kurz, zum Teil mit einem zynischen Humor, manchmal etwas langatmig, aber mit interessanten Reflexionen über die Literatur.
28.4.06 23:06


Werbung





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung