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Dan Brown - The Da Vinci Code

So, ich habe eben den Da Vinci Code beendet.

Ich habe das Buch nicht wirklich aus Interesse gelesen, sondern weil ich letzte Woche für die Fahrt zum UT ein Buch haben musste, das nicht zu anspruchsvoll war und das ich am Bahnhofskiosk bekommen konnte. Es interessierte mich auch, was hinter dem Hype steckt - und ich gebe zu, dass ich mit einer sehr kritischen Haltung an dieses Buch herangegangen bin.

Diese Rezension enthält Spoiler!

Mein erster Eindruck dieses Buches war: Das liest sich wie ein RPG. Es gibt tatsächlich frappierende Ähnlichkeiten. Das Buch besteht aus sehr kurzen Kapiteln, die jeweils die Sicht eines (oder zwei) Charaktere beschreibt. Verschiedene Handlungsstränge laufen nebeneinander, wie es für ein grösseres RPG auch typisch ist. Der Stil, in der dritten Person aus der Sicht eines Charakters zu schreiben, verstärkt dies. Da ich in meinen RPGs jeweils Gedanken kursiv geschrieben habe, kam mir auch dies sehr bekannt vor.
Aber die Parallele geht noch weiter: Die Charakterbeschreibungen, vor allem die Fixiertheit auf Äusserlichkeiten kommt bei RPGs oft vor. Wenn mehrere Mitspieler mit deinem Charakter interagieren müssen, ist es wichtig, dass sie sich vorstellen können, wie er aussieht und sich verhält. Denn obwohl man sich äusserlich ein gutes Bild über die Personen im Da Vinci Code machen kann - das Profil bleibt erstaunlich schwach. Dasselbe gilt auch für Umgebungsbeschreibungen: Wenn sich in einem RPG mehrere Charaktere in derselben Umgebung bewegen, ist es manchmal wichtig, sie genau zu beschreiben, damit sich beide in etwa dasselbe darunter vorstellen. Ich kann mir nicht erklären, warum Brown so darauf beharrt. Denn die genauen Umgebungsdetails schufen nicht Atmosphäre, sondern wurden irgendwann fast schon lästig.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass Dan Brown früher Creative Writing unterrichtet hat. Denn genau danach sieht es aus. Nach Lehrbuch, Schema X. Ich wurde kaum je wirklich überrascht.

Spannung kam bei mir beim Lesen kaum auf. Die ganzen Verfolgungsjagden liessen mich kalt. Wenn es zwei so klare Hauptfiguren hat wie Langdon und Sophie, dann werden sie nicht gefasst. Also war es bloss Zeitverzögerung.

Es hat mich auch gestört, dass man kaum miträtseln kann. Die Codes, die sie brechen müssen, sind dermassen spezifisch auf ein mir völlig unbekanntes Wissensgebiet angelegt, dass ich einfach nur glauben musste, dass es logisch ist, dass die Charaktere zu diesem Schluss kommen.

Wahrscheinlich hatte ich bewusst oder unbewusst auch schon in Film- oder Buchkritiken mitbekommen, wer hinter der ganzen Sache steckt. Denn sobald Langdon vorschlug, sie sollten Teabing anfragen und Sophie ein schlechtes Gefühl dabei hatte, wusste ich, wer der "teacher" war.

Was ich aus stilistischer Sicht sehr unfair fand, war auch die Tatsache, dass Brown die Gedanken der Personen dazu verwendet, die Leser in die Irre zu führen. Ich vermutete ab seinem Auftauchen bereits, dass Teabing der "teacher" ist - an dem Punkt, als Rémy aber anfing, über den "teacher" zu denken, als wäre es eine andere Person als sein Herr, war ich für einen Moment verunsichert. Warum tut er das? Er hat überhaupt keinen Grund dazu, in seinen Gedanken die zwei Personen zu trennen. Ich empfand dies deshalb als billigen Trick Browns, die Identität des "teachers" nicht frühzeitig preiszugeben.

Alles in allem ist dieses Buch definitiv nicht mein Fall. Ich bin nicht für Verschwörungstheorien gemacht, fürchte ich und ich konnte für die Charaktere irgendwie nicht richtig warm werden. Christina hat in der Rezension in ihrem Blog Sophie mit "Mary Sue" in Verbindung gebracht. So kam es mir auch zuweilen vor. Vor allem am Anfang, als sie Langdon so souverän aus dem Louvre befreit.

Ach ja - und die Klischees über die Schweiz...

Zur leichten Unterhaltung, wenn man sein Gehirn wirklich nicht überanstrengen will, ist dieses Buch ja vielleicht ganz gut - aber ansonsten: Nicht mein Fall.
11.6.06 13:51


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