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Waiting for the Sun. Jahresrückblick, Teil 4

Das neue Jahr hat zwar schon begonnen, trotzdem bleibt noch etwas Zeit, ein bisschen zurückzuschauen.

Mein heutiges Thema ist

Musik

Über das "Kaiser Chiefs"-Konzert habe ich ja schon im Teil 1 geschrieben. Es ist und bleibt mein Konzert-Highlight des Jahres. Aber es war nicht das einzige - deshalb lohnt es sich auch, einen Eintrag speziell über Musik zu schreiben.

Das nächste Konzert waren die Dresden Dolls, wieder im Fri-Son in Fribourg. Obwohl ich die Band immer noch sehr mag und mir der energetische Auftritt gefallen hat, erinnere ich mich heute vor allem noch daran, dass meine Füsse furchtbar geschmerzt hatten, weil ich nicht meine bequemen Schuhe angezogen hatte. Das ist schade - ich glaube, ich muss das nächste Mal wieder weniger eitel sein und die Dresden Dolls definitiv noch einmal sehen.

Leider habe ich das Konzert der Schweizer Band "My Name is George" im Vogelsang in Altdorf verpasst. Meine Schwester war dort und hat begeistert die erste EP mitgebracht. Es ist an die 60ies angelehnte Beatmusik, wie sie auch im neuen Britpop gespielt wird. Melodiös, abwechslungsreich und richtig mitreissend. Ich habe mir das Debüt-Album "Wow" auch gleich gekauft und höre sie oft in meiner Favoritenliste.

Ende 2006 hat die Band auf DRS3 den "Swiss Top Award" gewonnen und darf sich nun offiziell beste Nachwuchsband der Schweiz nennen. Ich hoffe, das macht sie nun auch national und vielleicht international etwas bekannter. Die Homepage der Band

Anfang Juli 2006 geschah eine fast schon legendäre Spontanaktion. Ich sass gerade zu Hause über meiner Arbeit, als mich meine Schwester am Montagabend anrief.
"Hast du Lust, morgen für 25 Franken an ein Konzert am Jazzfestival Montreux zu gehen?" - "Ja... warum nicht?"

Es stellte sich heraus, dass sie im Internet günstige Tickets für das Konzert der Deftones in der Miles Davis Hall gesehen hatte und diese ersteigern wollte. Sie machte ein Gebot und wir bekamen die Billette tatsächlich für 25 Franken, beide zusammen - Originalpreis wäre 60 Franken gewesen. Ein so günstiges Top-Konzert habe ich noch nie erlebt.

Zumal das Konzert auch richtig abging. Ich kannte die Deftones zwar nicht - aber die Songs rockten einfach. Am Ende des Konzertes war das ganze Publikum schweissgebadet und ausgepowert - aber glücklich.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber die Festivalatmosphäre an der sog. Riviera der Schweiz und die Rückfahrt im doppelstöckigen Sonderbus. Wir hatten oben die beiden vordersten Plätze ergattert und konnten ein atemberaubendes Gewitter am Horizont beobachten.

Am letzten Juliwochenende bescherte mir mein Zeitungsjob ein besonderes Konzerthighlight. Ich durfte über das Urner Open Air "Tellsbells" berichten, an dem fast ausschliesslich einheimische Bands aller Stilrichtungen spielten. Eine Auswahl, die sich wahrlich nicht verstecken muss.

Mein Zeitungsjob führte auch dazu, dass ich an einer Veranstaltung teilnahm, um die ich sonst einen grossen Bogen gemacht hätte - die Streetparade in Zürich. Nun - mein Ding ist es tatsächlich nicht, aber es war eine interessante Erfahrung.

Damit hatte ich gedacht, wäre mein Konzertjahr vorbei. Wenn mir nicht der Zufall einen Wink gegeben hätte. Das Line-Up des Open Airs Gampel gefiel mir sehr gut - besonders, weil gleich drei meiner Lieblingsbands auf der Affiche standen - Muse, Franz Ferdinand und Mando Diao. Ich hatte versucht, Leute zu überreden, dass sie mich begleiteten, aber hatte niemanden gefunden.

Schliesslich hatte ich geplant, in jener Woche in Genf in der Bibliothek zu arbeiten - als ich vor verschlossenen Türen stand. Sommerputz!

Das nahm ich zum Anlass, mein mit den Artikeln verdientes Geld in ein Open-Air Ticket anzulegen und ganz einfach mutterseelenalleine dahinzufahren. Ein besonderes Erlebnis war das schon. Meine Schwestern, die mit einer Gruppe von Freunden auf dem gleichen Open-Air waren, konnten sich kaum an die Konzerte erinnern - während ich wirklich nur wegen der Musik hingefahren bin.

Leider habe ich von Muse nicht gerade viel mitgekriegt, weil ich nur Stoffschuhe trug, mit denen man besser nicht zu Nahe ans Geschehen ranging.

Mando Diao und Franz Ferdinand waren einfach genial - definitiv Bands, von denen ich mal ein ganzes Konzert erleben sollte. Das absolute Highlight des Open Airs war für mich aber überraschenderweise Danko Jones. Die kanadischen Rocker spielten unglaublich mitreissend. Die brachten jeden zum Tanzen.

Auch eine Entdeckung waren die deutschen Country-Coverer von The Boss Hoss.

Das waren dann auch meine letzten Konzerte im Jahr. Trotzdem muss ich musikalisch noch etwas erwähnen:

Les McCann&Eddie Harris - Compared to what

Während einer Sendung über die Highlights aus weiss nicht wievielen Jahren Jazzfestival Montreux wurde "Cold Duck Time" der beiden gebracht. Ich fand das Stück unglaublich mitreissend und habe mit meinem Bruder gleich nachgesehen, ob es davon auch eine CD gab. Wir haben sie aufgetrieben und seither lief das erste Stück der CD - "Compared to what" bei mir in Endlosschleife. Kein anderes Stück konnte mich so gut zum Arbeiten mitreissen wie dieses. Ich weiss nicht, was ich daran so toll finde - es ist einfach perfekt, Gesang, Improvisation, Groove... ich hör ja schon auf.

Wenn man sich in einen Song verlieben kann, dann ist mir das auf jeden Fall hier geschehen. Er ist immer noch in meiner Favoriten-Playliste.
6.1.07 15:56


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Ein paar Gedanken über Ethik

"Warum bist du Vegetarierin?" Die Frage kommt fast unweigerlich, wenn ich irgendwo anmerke, dass ich kein Fleisch esse. Sie ist nachvollziehbar - obwohl es heute keine Seltenheit mehr ist, auf Fleisch und Fisch zu verzichten, ist es in unserer Gesellschaft nicht die Norm und weckt damit Interesse. Ich glaube, das Vorurteil, Vegetarier würden dauernd und penetrant für ihre Lebensweise missionieren, beruht auch darauf.

Aber das ist nicht, worüber ich mir jetzt Gedanken machen möchte.

Ich bin aus moralischen Gründen Vegetarierin. Früher ass ich sehr gerne und viel Fleisch, fand dieses Verhalten aber inkonsequent in meinen Überzeugungen, habe es ohne versucht und gemerkt, dass es geht.

Das scheint für viele meiner Diskussionspartner die "falsche Antwort" zu sein.
"Ich kann verstehen, wenn jemand kein Fleisch isst, weil er es nicht mag. Aber aus moralischen Gründen?" Ist fast schon so etwas wie eine Standardantwort.

Warum akzeptieren wir selbstverständlich, dass jemand etwas nicht isst, weil es ihm nicht schmeckt, aber haben Mühe damit, uns darauf einzulassen, dass jemand ethische Bedenken hat - selbst wenn wir diese nicht teilen?

Ethik scheint mir gerade heutzutage enorm wichtig zu sein - gleichzeitig ist es immer schwieriger, sich etwas darunter vorzustellen und Lösungen zu finden, die sich in einer von Individualismus und Multikulturalismus immer vielschichtiger werdenden Welt auch durchsetzen und vertreten lassen.

Vielen Menschen scheint die Bedeutung von Moral oder Ethik nicht bewusst zu sein. Nicht, weil sie keine Vorstellungen davon hätten oder weil sie sich keine Gedanken darüber machen würden. Die Begriffe haben etwas altbackenes, zeitweise fast naives.

Es gibt keine total amoralischen Menschen - Leute, die gar keine Vorstellung davon haben, was gut und was schlecht ist. Jeder und jede hat eine Intuition dafür, was man spontan als "gut" oder "schlecht" bezeichnet. Das Problem ist nur, dass diese Intuition nicht systematisch ist - und vor allem nicht bei allen Menschen gleich.

In einigen Belangen sind wir uns praktisch überall auf der Welt einig - etwa, dass es eine schlechte Tat ist, einen Mitmenschen grundlos umzubringen. Selbst Leute, die das tun, versuchen in der Regel nicht, diese Tat damit zu rechtfertigen, dass sie "gut" war.

Man könnte also sagen, dass es einen Haufen ethischer Grundsätze gibt, die nie angesprochen oder diskutiert werden, weil sie dermassen offensichtlich sind, dass wir keinen Grund sehen, uns darüber zu unterhalten. Natürlich findet man auch bestimmt auch gegen solche grundlegenden, durch alle Kulturen konstanten Ansichten, irgendwo einen Spinner, der das Gegenteil behauptet. Aber solche Ausnahmen sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass es innerhalb der Ethik tatsächlich eine Basis gibt, die eine überwältigende Mehrheit der Menschheit intuitiv teilt.

Wie gross diese Basis ist, mag freilich Diskussionspunkt sein. Sie wird jedoch selbst von Schwarzmalern wie Samuel P. Huntington im "clash of civilizations" anerkannt.

Es ist auch nicht diese Basis, die Probleme bereitet. Die Probleme entstehen, wenn die Antwort nicht mehr so klar ist. Wenn die Intuition von drei verschiedenen Personen zehn verschiedene Ansichten von "gutem" und "schlechtem" Handeln ergibt.

Man könnte nun natürlich - wie heute vielfach Tendenz besteht - einfach sagen: "Jeder soll für sich entscheiden, was gut und was schlecht ist." Totaler Relativismus, totale Freiheit.
Nur ergibt das summiert auf die Gesellschaft ein unpraktikables Durcheinander. Wenn alles erlaubt ist, entsteht Chaos.

Menschen haben aber nicht nur ein Bedürfnis nach Freiheit, sondern auch nach einem bestimmten Mass an Sicherheit und Ordnung. Selbst wenn es keine bewusste Staatsordnung gibt, entstehen inoffizielle, unterschwellige Strukturen, die oft auf dem Recht des Stärkeren basieren. Das Problem an solchen "natürlichen" Ordnungen ist für unsereins, dass sie kaum transparent und vernünftig sind.

Nun könnte man natürlich auch das gegenteilige Extrem anwenden. Man wählt ein bestimmtes durchgehendes System von Moralvorstellungen, die alle in sich selbst schlüssig und zusammenhängend sind und wenden es einfach in jeder Situation an. Da gibt es in der Philosophie sehr viele, sei es etwa der kant'sche Kategorische Imperativ oder der Utilitarismus - solche, die Moral bei der Handlung, ohne Blick auf das Ergebnis suchen und solche, die sie im Ergebnis sehen, ohne die Mittel dazu zu beurteilen.

Es wäre eine sehr einfache, ja, verlockende Welt - wenn sie nicht gewaltig aus den Fugen geriete, weil es bei allen existierenden Ethiksystemen sog. "effets pervers" gibt, ungewollte Nebenwirkungen, die dermassen gegen jede Intuition von gut und schlecht verstossen, dass sie nicht mehr gerechtfertigt werden können.

Denn die Realität ist immer komplexer als alle Modelle, die wir von ihr haben. Das heisst, angewandte Modelle produzieren zwangsläufig "Fehler".

Intuitiv würde man da natürlich sagen - dann muss man die Modelle eben miteinander kombinieren.
Das ist leichter gesagt als getan - denn ungünstigerweise widersprechen sich zwei funktionierende Modelle nur zu gerne. So schliessen sich auch alle Ethiksysteme gegenseitig - logisch betrachtet - aus. Praktisch hingehen, in unserer Intuition, spielen sie zusammen - aber nicht systematisch, nicht bei jedem gleich.

Das führt nicht nur dazu, dass die Welt nie moralisch perfekt und gut sein kann. (Die Frage, ob eine "gute Welt" auch erstrebenswert wäre, ist eine andere. Denn wie es ohne gross kein klein gibt, gibt es auch ohne schlecht kein gut - weil wir es von nichts unterscheiden könnten. Eine "nur gute Welt" würde ganz einfach eine Lebenskategorie verlieren, die für unsere Identität und soziale Stellung wichtig ist.)

Jetzt ist auch klar, dass niemand eine Patentlösung, ein perfekter Vorschlag machen kann, wie dieses Dilemma zu lösen wäre. In meinen Augen die praktiabelsten und menschlichsten Lösungen entstehen, wenn ein möglichst breiter Dialog entsteht - wenn die Regeln immer wieder überdacht, diskutiert und angepasst werden. Dies fordert Einsatz, Bildung und Menschen, die diese Diskussionen animieren, analysieren und vorantreiben.
Deshalb braucht es entgegen aller Unkenrufen "brotlose" Studien wie Philosophie oder Sozialwissenschaften - auch wenn sie nicht zwangsläufig in ihren Fachbereichen arbeiten.
15.1.07 17:02





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