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Gender Blind

Stellt euch mal vor, in der Schweiz gäbe es zwei Listen für "Standardlöhne", Einsteigerlöhne und so weiter, als Hilfe für überforderte Personalfachleute. Eine für Weisse und eine für Menschen aller anderen Hautfarben.

Oder wie würdet ihr auf eine Statistik reagieren, in der verkündet würde, Christen würden in eurem Land im Durchschnitt 20% mehr verdienen als Angehörige anderer Religionen?

Wie käme es an, wenn jemandem eine Stelle aus biologischen Gründen verwehrt würde - weil er als Dunkelhäutiger nun mal "erwiesenermassen" nicht dafür geeignet sei, selbst wenn er sonst alle erforderlichen Qualifikationen mitbringt?

Ein unverheirateter, gläubiger Mann keinen Job fände, weil er "in ein paar Jahren ohnehin ins Kloster geht"?

Und stellt euch vor, es gäbe ganze Heerscharen von Menschen, die daran "nichts falsches" finden können.

Unvorstellbar?

Nein. Realität.

Wenn man jeweils statt Hautfarbe oder Religion das Geschlecht einsetzt, passiert genau das, immer noch, auch nach knapp einem Jahrhundert Emanzipationsbewegung.

Obwohl sie offiziell verboten sind, gibt es in der Schweiz immer noch Referenzlisten für Angestelltenlöhne - mit zwei Kategorien, eine für Männer, eine für Frauen. Und dass man dies hier nicht mit Vorbedingungen wegargumentieren kann, ist klar: Eine Schulabgängerin unterscheidet sich in ihren Qualifikationen nicht grundsätzlich von einem Schulabgänger. Einstiegslohn ist Einstiegslohn. Trotzdem wird der Mann systematisch mehr verdienen als die Frau. Nur, weil sie weiblich ist. Und weil es eben so "Gewohnheit" ist.

Die Argumente der selbsternannten "Wirtschaftsvertreter" klingen geradezu zynisch: "Ihr schneidet euch doch nur selbst ins Fleisch. Wir müssten Leute entlassen! Wo kämen wir denn hin, wenn wir die Löhne aller Frauen anheben müssten!" Ja, wo kämen wir hin? Man müsste ja fast auf die astronomisch hohen Managerhonorare verzichten...

Die Zahl, im Durchschnitt 20% weniger Lohn für Frauen, ist in der Schweiz von der offiziellen Statistik bestätigt. Sie hat zum Teil strukturelle Gründe, etwa, weil Frauen tendentiell eher Teilzeit arbeiten und eher in Billiglohnsektoren arbeiten. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass selbst hochqualifizierte Frauen immer noch grundsätzlich weniger Geld für ihre gleichwertige Arbeit erhalten als ihre männlichen Kollegen.

Weil sie zwei X-Chromosomen haben.

Wie würde es aussehen, wenn wir Frauen nun beim Einkaufen grundsätzlichen Frauenrabatt einfordern würden? Ich verdiene 20% weniger, also möchte ich auch 20% weniger bezahlen müssen. Aber nein. Wo kämen wir da hin?

Dieser Unterschied von 20% besteht übrigens in allen Sektoren, es gibt keine Wirtschaftsbereich, und es gibt davon über 30, in denen Frauen gleich viel, geschweige denn mehr, verdienen als Männer. Selbst wenn man auf alle Werte kontrolliert, Extremverdiener rausnimmt – ein statistisch signifikanter Unterschied bleibt. Besonders tragisch, ja himmelschreiend, ist dies in der öffentlichen Verwaltung.

Man stellt sich das mal vor - jene Institutionen, die dafür sorgen sollen, dass der Gleichstellungsartikel von 1981 umgesetzt wird, halten sich selbst nicht daran?

Heutzutage ist es ja Mode, die Ungleichbehandlung der Geschlechter mit grundsätzlichen biologischen Unterschieden zu begründen.
Nur, um hier mal Klartext zu reden: Niemand, keine noch so überzeugte Feministin oder Emanze, behauptet, Männer und Frauen seien gleich. Das ist ja auch Unsinn. Jeder Mensch kann sehen, dass Männer nicht Frauen sind und umgekehrt. Aber darum, ums gleich sein geht es auch niemandem. Es geht um Gleichheit der Chancen, es geht um Gleichbehandlung - darum, dass etwas, das nichts mit der Sache zu tun hat, auch keinen Einfluss auf ihre Handhabung hat.

Keine zwei Menschen sind gleich. Ich bin nicht gleich wie meine Mutter oder meine Schwestern - und wir sind alle weiblich und aus der gleichen Familie. Ich bin meinen Schwestern vielleicht ähnlicher als meiner Mutter - vielleicht auch nicht - das hängt immer vom Thema ab. In manchen Dingen bin ich aber erwiesenermassen meinem Vater ähnlicher als meiner Mutter. Deshalb ist es auch unsinnig, meine Stärken und Schwächen alleine mit dem Faktor „Geschlecht“ erklären zu wollen.

Genausowenig wie alle Schwarzen, alle Juden, alle Muslime, alle Weissen, alle Katholiken oder alle Homosexuellen gleich sind, sind auch nicht alle Frauen oder alle Männer gleich. Was entscheidend ist: Sie sollen die gleichen Voraussetzungen, die gleichen Bedingungen zur Selbstentfaltung haben.

Natürlich sind Freiheit und Gleichheit zwei durch ihre Natur selbst schon unvereinbare Grundsätze und der eine wird immer auf Kosten des anderen eingesetzt - aber wie Aristoteles schon so schön wusste: Der Mittelweg ist die Lösung. Nicht 100% Freiheit, nicht 100% Gleichheit. Und der Mittelweg ist in jeder Situation ein anderer, er befindet sich nur in den seltesten Fällen bei 50:50.

Der Durchschnitt ist eine hässliche Funktion. Alle, die einmal in einer halben Statistikvorlesung gesessen haben, wissen, dass ein Durchschnitt ein sehr extremitätenanfälliger Mittelwert ist. Seriöse Statistiker rechnen auch noch Medianwert, vielleicht sogar Modus aus. Wenn von 100 Testpersonen 99 nur 1 Franken verdienen würden und einer 1 Mio., würde der Durchschnitt 10'000.99 Franken ergeben.

Wenn man nun also in der Forschung statistisch signifikante Unterschiede zwischen sagen wir mal, weiblichen und männlichen Hirnen, findet, dann handelt es sich dabei nie um einen "allgemeingültigen Unterschied". Die Aussage lautet nicht, wie in Medien dann gerne verkündet wird: "Männer können besser rechnen als Frauen" - sie lautet im besten Fall: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufällig ausgewählter Mann besser rechnen kann als eine zufällig ausgewählte Frau, liegt bei x%".

Grossangelegte Forschungen sagen nichts über die einzelnen Individuen aus - und individuell angelegte Forschungen sagen nichts über die Gesellschaft als Ganzes aus. Kombiniert kann man Tendenzen feststellen - aber niet- und nagelfeste Aussagen über ganze Gesellschaftsgruppen, inkl. überprüfter und bestätigter Begründungen dafür, sind nicht möglich.

Die Bereiche, in denen es tatsächlich unüberwindbare Unterschiede zwischen allen Männern und allen Frauen gibt, sind doch sehr, sehr beschränkt. (Das altbekannte Argument, Männer hätten nun mal keinen Uterus, mit dem sie Kinder zur Welt bringen können, ist natürlich korrekt. Die Frage ist nur: Wo, ernsthaft, ist dieser Unterschied entscheidend?) Alles andere ist Augenwischerei. Deshalb ist der Vergleich zwischen Rassismus und Sexismus oder Antisemitismus und Sexismus auch nicht überrissen oder gar grundlos.

Rassismus wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Wissenschaft an Universitäten gelehrt. Die "Rassenunterschiede" wurden mit Allerlei scheinbar wissenschaftlichen und pseudo-wissenschaftlichen Methoden erforscht. Und wo geforscht wird, gibt es Ergebnisse - egal, ob diese sinnvoll, konsequent oder mit den richtigen Theorien begründet wurden.

In jeder Art von Forschung, besonders aber, wenn denkende und handelnde Subjekte, Menschen eben, daran beteiligt sind, spielt Kultur, spielen Vorurteile mit hinein, die unsere scheinbar objektiven Erkenntnisse verwischen, ja verfälschen können.

Wer das nicht glaubt, sollte sich einmal rassistische Studien aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ansehen. Man könnte überrascht sein, wie überzeugend da der grösste Schwachsinn über die vermeintliche Überlegenheit der arischen Rasse in allen Belangen "belegt" wird. Nicht eifernd, nicht reisserisch - nüchtern, kühl, dem Anschein nach wissenschaftlich.

Es ist immer noch eine Frage der gesellschaftlichen Wahrnehmung, ob Sexismus als Problem empfunden wird oder nicht. Es ist keine Frage der Biologie.
2.2.07 15:01


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Freunde für immer?

"Wieviel eine Freundschaft wert ist oder war, sieht man erst nach einer Krise." Ein Satz, der nur allzuviel wahres enthält.
Ich schreibe diesen Eintrag nicht aus einem speziellen Anlass, meine Freundschaften sind zum Glück im Moment alle mehr oder weniger im Lot.

Ich kann nicht verstehen, wie man Freundschaften, Menschen idealisieren kann. Leute, die sich gerade erst kennengelernt haben und die sich bereits als "die besten, tollsten Freunde" überhaupt bezeichnen. Ja, ist es nicht gerade dann besonders gefährlich, dass eine Freundschaft die erste Krise nicht überlebt?

Wenn ich einen Menschen idealisiere, auf einen Sockel hebe, mache ich ihn im Prinzip zu einem "Unmenschen". Denn kein Mensch kann so gut und perfekt sein, wie einem das in der ersten Euphorie vorkommt. Und die Bauchlandung, die danach kommt, ist hart.
Wie konntest du nur? Wie konnte jemand, den man doch für perfekt gehalten hat, sich bloss als einfachen Menschen herausstellen? Und je länger und intensiver der Kontakt wird, desto weiter klaffen Erwartungen und Realität auseinander.

In meiner persönlichen Erfahrung hatten nur jene Freundschaften Zukunft, die sich langsam, stetig entwickelt haben. In denen es auch am Anfang nicht immer rund gelaufen ist, in denen sich ein Grundvertrauen entwickelt hat, quasi ohne dass man es bemerkt hätte.
All jene, die mit grosser Euphorie und wortreichen Freundschaftsbekundungen anfingen, gingen früher oder später zu Grunde. Eigentlich immer an enttäuschten Erwartungen von der einen oder anderen Seite. Direkt oder indirekt.

Vielleicht ist gerade das Bewusstsein von Imperfektion und Menschlichkeit das, was einer Freundschaft einen guten Nährboden gibt. Dass man sich nicht trotz, sondern wegen seiner zahlreichen Schwächen und Unzulänglichkeiten schätzt, achtet und mag. Es sind jene Verbindungen zu Menschen, die man nicht mit vielen dramatischen Worten und Gesten in den Himmel heben muss, sondern die ganz einfach da sind. Beinahe selbstverständlich sind und sich dennoch alles andere als von selbst verstehen.
7.2.07 14:38


Wie war das nochmals mit Frauensolidarität?

Normalerweise blogge ich nicht über meinen alltäglichen Bewerbungsfrust. Es reicht, dass ich selbst darunter leide. Aber diese Geschichte hier, gehört zumindest in eine bescheidene Öffentlichkeit.

Ich hatte mich Mitte Januar auf folgende Anzeige gemeldet:

EMMA sucht eine Nachwuchsredakteurin
Sie sollten erste Berufserfahrung, Bewusstsein als Frau und Spaß am Zeitschriften-Machen haben. Vor allem aber den Elan, an dem Abenteuer EMMA prägend mitzuwirken! Bewerbungen mit Foto an:


Kurz darauf erhielt ich eine Bestätigungsmail, in der ich um Geduld gebeten wurde, da man momentan unter einem Personalengpass leiden würde.

Gut, Geduld muss man ja wohl immer haben. Doch das, was jetzt kam, empfinde ich ganz einfach als bodenlose Frechheit:

Liebe [Name],

danke für die Bewerbung bei EMMA. Leider, leider müssen wir aber absagen, da bei einem so hochprofessionell gemachten Blatt wie EMMA die professionelle Erfahrung unerlässlich ist.

Mit Dank für das Interesse
und den besten Wünschen für alle weiteren Pläne

die EMMAs


Ich antworte euch dann mal, geschätzte Geschlechtsgenossinnen:

Liebe EMMAs,

es freut mich zu hören, dass Sie offensichtlich über ein gesundes Selbstvertrauen verfügen. Ja, wir Frauen haben es ganz bestimmt nötig uns nicht unterkriegen zu lassen. Solidarität!

Allerdings betrübt es mich zu erfahren, dass Sie augenscheinlich nicht daran interessiert sind, jungen, aufstrebenden Frauen eine Hand zu bieten.
Nein, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich weiss selber, dass mir nach meinem Studium noch die Berufserfahrung fehlt und ich kann verstehen, dass ich die erst noch machen muss. Einmal ganz abgesehen davon, dass heutzutage anscheinend niemand mehr gewillt ist, jemanden ohne Berufserfahrung einzustellen und ihr damit zur nötigen Vorbedingung zu verhelfen.

Aber ich schweife ab - nein, offensichtlich hat Ihr hochprofessionelles Magazin keinen Bedarf daran, hochmotivierten Frauen zu erklären, was ihnen zu ebenso hoher Professionalität verhelfen könnte.

Mit Verlaub - Ihre Antwort klingt hochkantig arrogant. Wie konnte eine erbärmliche junge Frau nur so naiv sein, nach den Sternen greifen zu wollen und sich mit noch spärlichem Praxiswissen bei einem so hochstehenden Magazin wie Ihrem bewerben? Ihre Antwort will mir anscheinend sagen, dass ich Sie bitte nicht weiter belästigen - sondern lieber andere Idioten anbetteln soll, mir die professionelle Erfahrung beizubringen, damit ich würdig genug werde, für die Sache zu kämpfen, die sie so hochprofessionell vertreten. Ich weiss nicht, wie alt man bei Ihnen sein muss, um als "Nachwuchs" zu gelten; denn ich kenne in meiner Generation wenige, die genügend professionelle Erfahrung haben um hochprofessionell zu sein.

Wie würde es mir ergehen, wenn ich jetzt nicht eine junge Uniabgängerin wäre, sondern eine Frau, die ihre Karriere zurückgesteckt hatte um sich um ihre Familie zu kümmern? Eine, die noch zehn Jahre älter ist als ich und genausowenig professionelle Erfahrung nachweisen kann? Ist das die Art, mit der Sie Frauen ermuntern, sich für ihre berufliche Karriere zu engagieren; wenn man ihnen in einer Absage so wenig Respekt und Wertschätzung zeigt und ihre „Mängel“ so unbegründet vor die Nase knallt?

Ich will Ihnen mal etwas sagen: sich zu bewerben bedeutet, sich zu exponieren, sich auf den Präsentierteller zu stellen. Es gibt ja Menschen, die tun dies freiwillig und gerne - aber es gibt andere, die müssen sich dazu überwinden. Es ist nicht leicht, täglich Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Arbeitsproben zusammenzustellen um dann wildfremden Leuten sinnbildlich sein Leben in die Hand zu geben, die danach über die berufliche Zukunft entscheiden - gerade heutzutage, wo der Arbeitsmarkt so hart umkämpft ist.

Und es bekümmert mich, dass ausgerechnet Sie, liebe Geschlechtsgenossinnen, die immer so sehr für die Würde des Menschen, die Würde der Frauen im Besonderen, eintreten - mir die kaltherzigste Absage von allen geschickt haben.

Wollen Sie mich junges Ding damit auf die harte Welt da draussen vorbereiten? Glauben Sie, es ergeht mir leichter, wenn ich von Ihnen eine noch schmerzhaftere Absage erhalte als von Ihren vom Patriarchat geprägten Kollegen?

Es tut mir leid, liebe EMMA, aber ich protestiere. Ihr Kampf verliert für mich damit ein Stück Glaubwürdigkeit. Denn für mich - und für hoffentlich viele junge, emanzipierte Frauen meiner Generation - zählt etwas sehr viel: eine respektvolle, menschenwürdige Behandlung. Die kann ich bei Ihnen - gerade bei Ihnen! - so nicht erkennen.

Ich jedenfalls werde meine Zukunft fernab von Ihrem Magazin suchen - und seien Sie gewarnt: ihre Absage klingt für mich auch nach einer Kampfansage. Ich werde mich melden, sollte mir etwas anderes als hochprofessionelle Handlungen Ihrerseits zu Ohren kommen.

Mit freundlichen Grüssen,

rareb


Das sagt RowenaR dazu
14.2.07 22:58


Das Ende einer Ära

Eigentlich ist gar nichts passiert. Nichts, das mich berühren sollte jedenfalls. Ich wusste, dass ich gegen die Nutzungsbedingungen verstosse, als ich aragornking und Co. angemeldet hatte. Und ich wusste, dass ich verwarnt und sie gebannt würden, sollte es auffliegen.

Ich habe den rareb-Account seit meinem "Ausstieg" aus dem Forum nicht mehr benutzt - die Rückkehr zu EDeN habe ich über meinen RPG-Troll gemacht um den Bezug zum ganzen alten Ballast zu verhindern.

Und nun dies:
Da ich mit diesem Gauklerstuben-Account auch ein paarmal im "EDeN-Treffen"-Thread gepostet hatte und sich dieser im Veranstaltungsforum habe ich auch mit diesem Account gegen die Nutzungsbedinungen entschieden.

Man sei noch nett zu mir - statt einfach einen der beiden Accouts (rareb oder der EDeN-Account) zu sperren, überlasse man mir die Wahl.

Nun - rareb ist gebannt. Definitiv.

Eine etwas über vierjährige Forumsgeschichte ist zu Ende. Obwohl ich theoretisch mit dem neuen Account wieder im ganzen Forum posten könnte, werde ich es nicht tun. Aber ein bisschen wehmütig stimmt es mich schon - und ich nerve mich, dass ich eine so sture Interpretation der Forumsregeln nicht bedacht hatte.

Und wenn ich doch wieder posten würde, wäre mein Anmeldedatum nun der 25. Mai 2006. Nicht mehr der 28. August 2002.

Natürlich hätte ich mich auch dafür entscheiden können, den EDeN-Account sperren zu lassen und wieder als rareb zurückzukehren. Aber man sollte manche Dinge ruhen lassen. Im Prinzip macht die Bannung nur offiziell, was ich selbst bereits vor zwei Monaten entschieden hatte - der Community bis auf das RPG den Rücken zu kehren.

Trotzdem... irgendwie stimmte es mich traurig, als ich es nach der Info-PM überprüft hatte und beim rareb-Login kam:

Dein Account wurde gesperrt oder gebannt.

Damit ist es amtlich: rareb wird es im Grünen Forum nicht mehr geben.
17.2.07 18:14


Sinnvoll kritisieren

Wer seine Texte veröffentlicht, muss damit rechnen, dass sie gelesen und kritisiert werden. Eine gut durchdachte und formulierte Kritik (positiv oder negativ) kann einen sehr bereichern. Ja, wenn ich meine literarischen Ergüsse auf einen Sockel stellen und unangetastet lassen will, dann muss ich sie in der Schublade behalten. Aber das bedeutet auch, dass ich nie weiss, wo sie stehen und welche Qualität sie haben.

Natürlich ist Kritik nicht gleich Kritik.
Es gibt - vereinfacht gesagt - zwei Arten von Kritik, die nichts bringen:

- Unsachliche Beleidigungen, in der Internetsprache auch "Flames" genannt
- unbegründetes Lob

Ersteres ist leicht zu erklären. Alle, die ihre Texte der Öffentlichkeit zugänglich machen, haben ein gewisses Mass an Respekt verdient. Das bedeutet, dass man auch Autoren, deren Werk gelinde gesagt Müll ist, nicht einfach persönlich beleidigen soll. Eine solche Kritik zielt nicht auf den Text, sie geht gegen die Person, die ihn schreibt. Das ist nicht nur unfair, sondern auch meistens feige.
Wenn man gar nichts an einer Geschichte finden kann, lohnt es sie, sie einfach wegzuklicken und es seinzulassen oder sich dann wenigstens die Mühe zu nehmen, die Kritik sachlich anzubringen.

Zweiteres mag überraschen - Lob ist doch, was die meisten Fanfiction-Autorinnen für ihre Geschichten einheimsen wollen. Es gibt sogar viele, die sehen jede Art von nicht vollständig positivem Feedback als "Flame" an und sind todbeleidigt. Aber mit etwas Distanz betrachtet bringt einen unbegründetes Lob genausowenig voran wie unbegründete Kritik. Eher sogar weniger.
Es kann aufbauend sein, ein "tolle Geschichte!" zu lesen - und ab und zu ist solches Lob auch nicht schlecht; aber auf Dauer, spätestens nach dem dritten oder vierten allzu positiven Kommentar werde ich persönlich misstrauisch. Was macht die Geschichte so gut? Gibt es noch Dinge, die ich besser machen kann? Erfahrungsgemäss gibt es immer etwas, an dem man noch arbeiten kann.

Eine gute Kritik ist vor allem eines - ehrlich. Im Positiven wie im Negativen. Es ist einfacher, das Negative auszusprechen, weil es störend ist und auffällt - aber es gibt wenig, das einfach nur gänzlich schlecht ist.

Eine gute Textkritik bezieht sich neben Rechtschreibung, Grammatik und Inhalt auch auf Stil. Sie zeigt auf, wo Potential vorhanden ist, findet Abkürzungen und Unsicherheiten, deckt sie auf und macht konkrete Vorschläge. Diese sollten aber wiederum nicht zu absolut sein - schliesslich soll der Text seinen Ursprungscharakter behalten.

Mir persönlich ist aufgefallen, wie wichtig gute Kritik ist, als ich mit meiner ersten Kolumne auf die Redaktion der Lokalzeitung ging, für die ich heute noch als freie Mitarbeiterin tätig bin.
Ich hatte den Text einigermassen geschrieben und ausgedruckt. Einer der Redakteure hatte ihn im Drucker gefunden und korrigierte ihn spontan. Nicht, weil es seine Aufgabe gewesen wäre, sondern weil ihm der Text gerade in die Hand gekommen war.

Er war unglaublich hart. Kürzere Sätze! Hier hast du Floskeln verwendet. Weisst du überhaupt, was das Wort bedeutet? Was willst du wirklich damit sagen? Erzähl mal.
Ich formulierte um, korrigierte - er las es wieder durch, kritisierte wieder. Am Ende hat er mir einen Kaffee bezahlt, weil er meinte, er sei zu streng mit mir gewesen.

Aber im Nachhinein betrachtet, habe ich nie mehr über das Schreiben gelernt als an diesem Nachmittag. Ich verdanke einen grossen Teil meines journalistischen Stils diesem einen Redakteur.

Ich hörte davor schon immer von meinem Deutschlehrer, ich würde gut schreiben können. Trotzdem rutschten meine Aufsatznoten mit jedem Aufsatz weiter nach unten. Wenn ich nachfragte, konnte er mir aber nie genau sagen, woran es lag. Ausser - "sie können es einfach". Die Kritik war immer inhaltlich und vor allem enttäuschte Erwartung. Wenn man es doch schon kann, müsste man es doch besser machen...

Diese Kritik auf der Redaktion hatte mich weitergebracht. Genau das versuche ich auch zu tun, wenn mir jemand einen seiner Texte anvertraut.
Zuerst lese ich den Text einmal durch, markiere, was mir sofort auffällt - wobei hier der Gesamteindruck am meisten zählt.

Ich bin jemand, der beim ersten Lesen noch nicht besonders viel auffällt. Es gibt Dinge, über die ich stolpere - aber beim ersten Lesen übertüncht das Neue, Unbekannte des Textes noch seine Schwächen.

Deshalb ist es wichtig, nochmals darüberzulesen - je nach Zeitplan mehrmals - und dann systematisch nach Fehlern zu suchen. Da fallen mir dann all die Logikfehler, Worthülsen und literarischen Abkürzungen auf, die einen Text platt und unglaubwürdig machen.

Statt nur ausgiebig zu kommentieren, ziehe ich es meistens vor, eine Reihe von Fragen zu stellen. Denn ich möchte auch herausfinden, was der Autor in seinem Text ausdrücken wollte. Nicht immer gelingt das auf Anhieb. Das hat nicht unbedingt etwas mit mangelndem Schreibtalent zu tun - oft ist man so in seinen Gedanken und in seiner Welt, dass einem alles, was man schreibt, total logisch vorkommt. Erst die Fragen einer zweiten Leserin bringen dann Unklarheiten an den Tag.

Die Art, wie die Kritik vorgetragen wird, ist ebenfalls wichtig. Es muss sich immer um den Text handeln. Die Person, die ihn geschrieben hat und ihre (vorhandenen oder nichtvorhandenen) Fähigkeiten gehören nicht dazu. Wenn man merkt, dass der Kommentar zum Text auch den Autor betrifft, sollte man möglicherweise diese Spannungen zuerst klären. Denn die beste Kritik ist unnütz, wenn sie in den falschen Hals gerät und abgeblockt wird.
18.2.07 23:48


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