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"Das hätte ich auch ohne Forschung gewusst!" - Herausforderung der Sozialwissenschaften

Seit Dienstag habe ich nun mein Jahrespraktikum begonnen und finde es gerade intellektuell wirklich inspirierend. Ich habe die Aufgabe, ein neues Forschungsfeld abzustecken und herauszufinden, was in diesem Bereich für die Verwaltung interessant wäre. Die Anforderungen sind hoch, auch wenn ich erst daran bin, mich einzuarbeiten.

Dabei habe ich eine sehr interessante und sehr passende Erklärung gefunden, warum Sozialwissenschaften für Laien trügerisch sind. Ich zitiere einfach den Absatz von Irene M. Kernthaler:

"Ein Text über eine chemische Fragestellung ist wohl in den meisten Fällen eindeutig als solcher erkennbar; und jemand ohne das notwendige Fachwissen wird diesen Text auch nicht verstehen können. Sozialwissenschaftliche Texte erscheinen auf den ersten Blick oft verständlicher, da alltagssprachliche Ausdrücke verwendet werden, die allerdings in dem Kontext eine abgewandelte Bedeutung haben. Der Rezipient von Sozialwissenschaften vermeint daher oft, den Text zu verstehen, besitzt aber in Wirklichkeit das nötige Vorwissen dazu nicht."

Aus diesem Grund erscheinen Forschungsergebnisse aus unserem Gebiet oft trivial. Wenn sie sich mit der Lebensrealität der Leser decken, haben sie das Gefühl, man hätte Ressourcen verschwendet, eine Forschung zu tun für etwas, was man schon lange wusste. Dass es einen Unterschied gibt, ob man die Alltagserfahrung gemacht hat oder sie mit statistischen Erhebungen stützen kann, ist oft schwer verständlich.

Auf der anderen Seiten haben wir Tendenz, eigentlich stark gestützte Forschungsergebnisse abzulehnen, wenn sie nicht unseren Erfahrungen in unserem Bekanntenkreis entsprechen.

Jeder hält sich im Prinzip für einen Experten in gewissen Bereichen des sozialen Lebens - obwohl das nur auf seine persönliche Ebene zutrifft. Oder um es mit Frau Kernthaler in einem konkreten Beispiel zu sagen:
"Jeder ist Spezialist für Familie - allerdings nur für seine eigene."

Meine Aufgabe ist es, Spezialistin für Familie zu werden - nicht nur für meine eigene.
4.5.07 11:54


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Generation Praktikum - wie jetzt?

Es ist ein Schlagwort. Seit der "Nachkriegs-Generation" in den 40ern und 50ern des letzten Jahrhunderts besteht das Bedürfnis, die "Jugend" jedes Jahrzehnts mit einem Begriff zu versehen. Von der skeptischen Generation, den 68ern, den Generationen Golf und Internet ist die Rede. Und unsere Generation, so vermutet man, wird dereinst Generation Praktikum, Generation P oder Génération précaire genannt. Und das aus einem einfachen Grund: Immer mehr gut ausgebildete Leute, vor allem Akademiker, finden nach dem Studium keinen Job. Alles, was ihnen angeboten wird, sind Praktika vor kein oder wenig Geld. Zumindest in gewissen Fachbereichen.

Alles nur Panikmache - heisst es nun von offiziellen Studien. Die Anzahl der Langzeitpraktikanten belaufe sich auch in den am meisten betroffenen Fächern nur auf 20% aller Absolventen, hiess es etwa kürzlich in der Zeit und im Spiegel. Leider habe ich keinen Zugang zu den Details dieser Studie, denn sie lässt mich zumindest stutzig werden.

Wahrscheinlich ist es tatsächlich so, wie ich in meinem vorhergehenden Beitrag geschrieben habe - die persönliche Lebensrealität muss sich nicht mit der objektiven Situation decken. Ich bin selbst Absolventin eines sozialwissenschaftlichen Studiums, selbst gerade Praktikantin, wenn auch wenigstens so bezahlt, dass man davon gerade so ohne zusätzliche Unterstützung über die Runden kommt und die meisten meiner Freunde von der Uni sind gerade dran oder werden in nächster Zeit ein Praktikum machen.

Jene, auf die dies nicht zutrifft, arbeiten in einem Job, der weit von ihrer ursprünglichen Ausbildung entfernt ist und für den man keinen Abschluss brauchen würde. Das ist dann auch die Frage, die ich den Leuten gerne stellen würde, die zu diesen Ergebnissen gekommen sind: Welche Art von Job haben die Mehrheit der Absolventen, die keine Langzeitpraktika machen?

Meine ganz persönliche, mangels eigenem statistischem Material gänzlich unwissenschaftliche Theorie ist nämlich, dass ein Grossteil jener, die nach dem Studium eine Festanstellung finden, für diesen Job, den sie machen, nicht hätten studieren müssen. Vielleicht sind sogar nicht wenige darunter, die jetzt einen Job machen, für den man nicht einmal einen Schulabschluss haben müsste. Stichwort Taxifahren.

Die Wahl, vor die ich in den letzten Monaten gestellt war, war denn auch folgende: Entweder, ich studiere weiter auf Master - das verschiebt die Problematik aber nur und hätte meiner Familie eine unzumutbare Mehrbelastung bedeutet, ich werde Langzeitarbeitslos, gehe irgendwo in die Gastrobranche oder ähnliches für ein paar Franken die Stunde arbeiten oder bewerbe mich um Praktika, die mit meinem Fach zu tun haben.
Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich eine sehr engagierte Studentin war, die ihr Fach sehr gerne mochte und die den Stress, eine vergleichsweise stumpfsinnige Tätigkeit auszuüben auch nicht über länger als eine befristete Übergangszeit aushält. Das kann man als persönliches Manko sehen.

Zum Glück habe ich jetzt einen Ort gefunden, an dem das Praktikum auch als Ausbildung gesehen wird, wo ich mich auch für meinen Arbeitgeber in ein neues Themenfeld einarbeiten kann, was letztlich für beide Seiten hoffentlich profitabel sein wird. Aber Tatsache ist auch, dass ich kaum etwas zur Seite werde legen können, kaum dazu beitragen werde, dass meine private Altersvorsorge in Gang kommt und dass ich in einem Jahr wieder eine neue Stelle werde suchen müssen.

Ich hätte auch lieber eine unbefristete oder eine befristete vollwertige Stelle angenommen - aber Tatsache ist auch, dass der Arbeitsmarkt heutzutage so ausgetrocknet ist, dass auf eine Stelle in meinem Bereich oft auf einen Posten bis zu 300 und mehr Bewerbungen kommen. Da werden Leute ohne Berufserfahrung gleich herausgefiltert. Die haben gar keine Chance. Und je älter man ohne konkret nachweisbare Berufserfahrung ist, desto schwieriger wird es.

Wenn man sich so einen Überblick verschafft, wie die Lebensverhältnisse heute sind, gibt es eigentlich kaum eine Generation, der es wirklich uneingeschränkt gutgeht - vielleicht mit einer Ausnahme.

In meinem Alter können wir uns selten ein Leben aufbauen, das stabil genug ist, dass wir uns vollständig von unseren Eltern loslösen können, geschweige denn, daran zu denken, eine eigene Familie zu gründen. Das wird oft auch nicht bedacht, wenn man von Generation P spricht. Wir sind für den vielgelobten freien Arbeitsmarkt einfach noch zu wenig ausgereift, zu wenig kompetent, zu wenig erfahren und damit nur dafür qualifiziert, einen möglichst unbezahlten Handlangerjob zu vollführen. Und jene, die auf diese Weise Praktikanten einstellen, ohne ihnen eine Gegenleistung im Sinne von Ausbildung und nachweisbarer Berufserfahrung bieten, sahnen kräftig ab. Kurzfristig.

Es gibt ja mittlerweile auch Studien, die beweisen, dass es auch den Arbeitgebern auf lange Sicht schadet, immer neue Praktikanten einarbeiten zu müssen, dabei festangestellte "Ressourcen" zu verschwenden und Leute unnötig zu "verbrauchen". Es wäre rentabler, einen Mitarbeiter fest einzustellen, ihn richtig einzuarbeiten, richtig zu bezahlen und zu behalten. Das Problem ist nur, dass die lange Sicht in einer von Quartals- und Jahresabschlüssen geprägten Wirtschaftswelt kaum von Belang ist. Schon gar nicht die ganz lange Sicht, jene, in der es darum geht, dass immer weniger Arbeitnehmer die Renten von immer mehr pensionierten Leuten bezahlen müssen - ein Problem, das in der Politik allgemein anerkannt und behandelt wird - und das dadurch verschärft wird, dass heute immer weniger Menschen unter 30 Jahren einen substantiellen Beitrag dazu leisten können. Obwohl sie gerne würden.

Darunter leidet die sog. "Sandwichgeneration" dazwischen, die Generation meiner Eltern, die oft finanziell für die Kinder aufkommen muss und gleichzeitig ihre eigenen hochbetagten Eltern pflegen. Und wenn sie diese Last nicht tragen müssen, fürchten sie sich davor, mit 45 bereits als "älterer Arbeitnehmer" zu gelten und aufs Abstellgleis verfrachtet zu werden.
Ja - wie soll eine Gesellschaft funktionieren, in der junger Leute unter 30 oder sogar 35 nicht wirklich selbstständig sein können und in der die gleichen Leute mit 45 bereits wieder ausrangiert werden? Wann ist man denn bitte gut genug?

Und was viel bedrückender und beänstigender ist: Die Gesellschaft ist kein Individuum, es gibt keinen Sündenbock, es gibt nicht "die da, die das tun" - die Gesellschaft sind wir alle.

Die Generation, die eigentlich profitiert, ist jene der sog. aktiven Rentner. Leute, die bereits in Rente gegangen sind, eine passable Pension erhalten und körperlich und geistig noch fast uneingeschränkt fit sind. Aber soll man diesen Leuten jetzt in die Tasche greifen, sollen sie die Verantwortung übernehmen?

Nein - die heutigen aktiven Rentner sind Menschen, die oft ihre eigene Ausbildung, die ihrer Kinder und auch mit jahrelanger Arbeit die Rente ihrer eigenen Eltern finanziert haben. Sie verdienen es, jetzt Geld für ihre Entbehrungen und ihren Aufwand zu erhalten.

Aber Tatsache ist auch, dass etwas schiefläuft, das man nicht einfach ignorieren kann. Und dass die gegenwärtigen Entwicklungen nicht nur einigen Leuten Bauchschmerzen bereiten, sondern auch immer mehr sichtbares und unsichtbares (im Sinne von psychischen Erkrankungen) Leid entsteht, das man nicht einfach ignorieren kann.

In dem Sinne: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.
11.5.07 22:54


Familienirrtümer - 1. Teil

Die traditionelle Familie besteht aus Vater, Mutter und durchschnittlich zwei Kindern.

falsch

Das, was oben beschrieben ist, nennt sich bürgerliche Kleinfamilie oder auch nuclear family (Kernfamilie) auf englisch und ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Genauer gesagt, der dominanten Klasse im 19. Jahrhundert, eben des Bürgertums. Wir müssen endlich aufhören, uns durch die Wortwahl etwas vorzumachen. Denn mit dieser Wortwahl bringt vielen Menschen Unglück, für die diese Form der Familie nicht die richtige Wahl ist.

Davor waren Familien eher Clans, die oft genug auch unter einem Dach wohnten, es zählten nicht nur die Ehepartner und ihre Kinder dazu, sondern je nach Haushaltsform auch Angestellte, Knechte, Mägde, auf den Höfen Bedienstete, Unterhalter, Ammen... Das, was man vor dem 19. Jahrhundert gemeinhin als "Familie" bezeichnete, war etwas grosses, weit verzweigtes, bei dem die Kernfamilie keine besondere Bedeutung innehatte.

Die meiste Zeit in der Geschichte existierte das, was wir traditionelle Familie nennen, schlichtweg nicht. Sie erscheint uns, die wir Anfang des 21. Jahrhunderts leben als traditionell, weil weder wir, noch all unsere Ahnen, an die wir realistischerweise kennen können, sich daran erinnern können, dass es anders war.

Trotzdem hat die bürgerliche Kleinfamilie weder etwas biologisches - sie ist eine soziale Wahl, die uns natürlich erscheint, weil wir nichts anderes kennen. In anderen Kulturen gibt es noch heute andere Formen von Familie. Es gehört zur menschlichen Entscheidungsfreiheit, seine gesellschaftliche Organisation bewusst zu wählen und sie nicht durch Instinkte diktiert zu bekommen. Wir sollten das in unseren Idealen über Familie nicht vergessen. Es gibt keine zwingenden Argumente, die alle Menschen zu einer Form verpflichten könnten.
22.5.07 22:13





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