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Das Recht, so auszusehen, wie man aussieht

"Ich hasse es, mich dauernd für mein Aussehen rechtfertigen zu müssen" - das habe ich inzwischen schon von einigen Frauen gehört, die durchaus als Models arbeiten könnten, wenn sie es wollten. Sie fühlen sich von jenen Frauen angegriffen, die das aktuelle Schönheitsideal kritisieren, weil sie glauben, sie würden in die gleiche Schublade wie die Industrie gesteckt, die ihr Äusseres als Ideal hervorgebracht hat.

Es ist möglich, dass es tatsächlich ein paar frustrierte Dicke gibt, die wirklich so denken. Sie tun mir leid. Ich möchte das nicht. Ich möchte, dass sich niemand für sein äusseres rechtfertigen muss.

Natürlich kann man da präzisieren, Einwürfe machen... was mit ungepflegten Menschen ist, solchen, die stinken und mit fettigen Haaren und abgenutzten Klamotten herumlaufen, die nicht wissen, was ein Kamm ist usw. Aber diese Leute haben wohl eine andere Ansicht und andere Probleme.

Was ich damit sagen will: Verweigern wir diesen Kampf doch einfach! Diesen künstlichen Zickenkrieg, in dem Dünne die Dicken unkontrolliert, schwach und hässlich schimpfen und Dicke die Dünnen oberflächlich, kalt und arrogant. Oder was immer uns einfällt. Denn wir schaden uns damit nicht nur gegenseitig und selbst - wir verhindern auch, dass wir ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln können, dass wir mit dem leben können, was uns gegeben wurde.

Ein Mensch ist nicht mehr oder weniger wert, wenn er mehr oder weniger Idealen entspricht. Ich will nicht länger einen Stellvertreterkrieg für eine Industrie führen, die knallhart davon profitiert, dass kaum ein Mensch, vor allem Frauen, wirklich mit ihrem Äusseren zufrieden ist. Dafür bin ich mir und dafür sind mir meine Mitmenschen zu wichtig.

Heuchlerisch? Wahrscheinlich. Ich gebe zu, dass ich mit meinem Körper auch im ständigen Clinch bin. Aber ich will nicht länger dauernd mit irgendwelchen anderen Menschen verglichen und vermessen werden. So. Ich will mich kleiden können, wie es mir gefällt, ich will mich ernähren können, wie ich es für richtig halte und ich will das Recht haben, keine Diät machen zu müssen, obwohl ich übergewichtig bin. Nicht, weil ich das Übergewicht toll finde, sondern weil der Preis, den ich für dieses ewige "am Gewicht arbeiten" bezahlen würde, ganz einfach zu hoch ist.

Ich kenne Frauen, die seit über 30 Jahren eine Diät nach der anderen machen, die sich mit Sport fast erschöpfen, die ständig an sich und anderen herummäkeln und die sogar schon mindestens ein Mädchen in eine gefährliche Magersucht und danach Bulimie getrieben hatten. Trotzdem haben sie ihr Idealgewicht nicht erreicht. Sie sind nie zufrieden, sie können keine Mahlzeit mehr geniessen und sie können Menschen nicht mehr einfach als Menschen, als Ganzes ansehen. Alles, was sie sehen, sind Speckröllchen, Übergewicht, untrainierte Schlaffies und die verheissungsvollen Idealbilder in den Zeitschriften, die auch noch massiv nachbearbeitet wurden.
Nein. So will ich nicht werden!

Übergewicht ist sicher hauptsächlich eine Frage der Ernährung, des Energiehaushalts - aber nicht nur. Es gibt Menschen, die können sich so ungesund und übermässig ernähren, wie sie wollen, sie setzen nichts an - weil ihr Stoffwechsel einfach effizienter arbeitet als meiner. Andererseits kenne ich Leute, die sich so viel Mühe geben, die auch schon zu Ernährungsberatern gegangen sind und dort erfahren haben, dass sie eigentlich alles richtig machen. Trotzdem nehmen sie nicht ab.

Natürlich wäre ich gerne dünner, natürlich fände ich es nett, wenn mein Rücken weniger belastet würde, wenn ich meine Klamotten nicht in der Zeltabteilung kaufen müsste - aber dieser Preis ist für mich immer noch weniger hoch als den, den ich bezahlen würde, wenn ich mich von der Diät-Spirale fangenlassen würde.

Ich bin ein Mensch und ich möchte als solchen akzeptiert werden. Genauso wie die Mädchen mit der Modelfigur, die sich in ihren schönen Klamotten schämen, weil sie nicht für oberflächlich gehalten werden wollen. Menschsein hängt nicht davon ab, wie der Körper ausgestattet ist, den man hat.

Das heisst auch nicht, dass man nicht Körper schön oder hässlich finden darf, dass man einige Menschen als attraktiv und andere unattraktiv einschätzen kann. Das sind persönlich Entscheidungen, persönliche Urteile. Aber wenn eine Gesellschaft anfängt, so gut wie jedem Menschen genau das als Manko anzuhängen, was er hat, dann läuft etwas falsch. Und dann müssen wir uns wehren.
9.6.07 15:29


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Liebe bürgerliche Parteien

Liebe FDP und SVP,

Ich finde euer Engagement gegen "Missbrauch" ja richtig nobel. Es ist furchtbar, wenn Menschen um den Lohn ihrer harten Arbeit betrogen werden, wenn Menschen auf Kosten anderer kräftig absahnen...

warum bloss tut ihr nichts gegen den Missbrauch bei Steuerabzügen? Bei Managerlöhnen? Wie kommt es, dass so viele Leute heutzutage von ihrer harten Arbeit Lohn gerade mal am Existenziminimum herumvegetieren, dabei immer häufiger ausgelaugt sind, psychisch und physisch krank werden - während ein paar wenige Reiche es sich gemütlich machen? Wie könnt ihr so hart in der Missbrauchsbekämpfung in der IV, der ALV und der Sozialhilfe sein, wenn ihr gleichzeitig so blind seid beim Missbrauch eurer eigenen Klientel?

Eure Doppelmoral geht mir gewaltig auf denk Keks! Warum reicht bei Firmenbossen eigentlich der Hinweis auf das freie Spiel der Wirtschaft um astronomische Gewinnsummen auf dem Buckel von vielen Arbeitnehmern und Konsumenten zu rechtfertigen, während jeder Bezüger einer berechtigten Sozialleistung erst einmal einem generellen Missbrauchs- und Schmarotzervorwurf entgegentreten muss?

Das Problem, meine lieben bürgerlichen, angeblich liberalen Parteien, ist, dass ihr nicht versteht, auf welche Werte und Traditionen ihr euch eigentlich berufen wollt. Liberalismus ist nicht nur Wirtschaftsliberalismus - und auch wenn Wirtschaft wichtig ist, sie ist nicht alles.

Eigentlich müsste doch der Staat und die Wirtschaft für das Wohl der Menschen dasein und nicht umgekehrt, wie ihr es heute propagiert. Das Problem, mit dem der Sozialstaat heute konfrontiert wird, ist nicht, dass er die Produktivität der Wirtschaft behindert und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes beeinträchtigt - das Problem ist, dass er nicht dafür gemacht ist, mit den gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Wirtschaft umzugehen. Das sagt nicht etwa ein obskurer Marxist - das sagt ein Liberaler, Peter Ulrich, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen.

Und er trifft den Nagel auf den Kopf.
Liebe Wirtschaftsliberale - ihr könnt mich mal mit eurem Geschrei nach nach mehr Öffnung, noch mehr Sozialabbau. Und weil Professor Ulrich es so pointiert geschrieben hat, muss ich es nicht einmal mehr selbst formulieren:

"Das alte Rezept [gegen sozialpolitische Probleme] heisst mehr Markt und mehr Wettbewerb. Doch [...] das heisst auch, [...] das Problem der fortschreitenden Wegrationalisierung der Arbeitsplätze, der sinkenden Reallöhne und der explodierenden Sozialstaatskosten flugs zur Lösung zu erklären.
[...]
Damit kommt klar zum Ausdruch, dass die neue soziale Frage nicht etwa ein unvorgesehener Nebeneffekt der neoliberalen Fortschrittsverheissung ist, sondern durchaus zum angestrebten Erfolg der privatwirtschaftlichen Rationalisierungslogik gehort.
[...]
Deregulierung der Märkte und Intensivierung des Wettbewerbes hat systematisch zwei Folgen:
- Der Leistungsdruck auf den einzelnen wird erhöht
- Die soziale Schere öffnet sich stetig, weil der Markt immer schärfer zwischen Gewinnern und Verlierern unterscheidet
[...]
Es ist wichtig zu begreifen, dass die neoliberale Politik nicht die Lösung, sondern die zentrale Ursache dieser ganzen Entwicklung ist.
[...]
Das Problem ist nicht primär, dass unsere Volkswirtschaft zu wenig produktiv und international nicht wettbewerbsfähig wäre - die Exportstärke und die fast rundherum glänzenden Geschäftsergebnisse der grossen Firmen belegen es - sondern vielmehr, dass wir aus den "Erfolgen" der ökonomischen Rationalisierungsdynamik und der ihr entsprechenden Wegrationalisierung von Erwerbsarbeit noch nicht die folgerichtigen gesellschaftlichen Konsequenzen ziehen, um sicher zu stellen, dass die so genannte Volkswirtschaft bleibt, was der Begriff verspricht, nämlich die Wirtschaft des Volkes. Mit anderen Worten: Nicht wie ein effizientes Wirtschaftssystem zu organisieren ist, sondern wie dieses sinnvoll und gerecht in das Wirtschaftsleben der BürgerInnen eines Landes einzubetten ist, stellt die besondere Herausforderung der Zeit dar."

Ich weiss gar nicht, wie sehr ich Professor Ulrich dafür danken kann, dass er als liberaler wagt, das tatsächlich auszusprechen. Liberalismus bedeutet mehr als euren stumpfsinnigen, mechanischen Wirtschaftsquatsch. Der ist zwar durchaus wichtig - aber nur, wenn er abgefedert ist.

Wie könnt ihr Eigenverantwortung von den Menschen verlangen, wenn ihr ihnen gleichzeitig die Grundbedingungen verwehrt, nach denen sie diese auch entwickeln können?
Freiheit und Gleichheit lassen sich zwar nicht vollkommen kombinieren, sie dürfen sich aber auch nicht vollkommen ausschliessen. Liberal und sozial sind keine Widersprüche. Um das zu sehen, würde ein Blick der FDP in die eigene Ursprungszeit im 19. Jahrhundert schon reichen.

Professor Ulrich dazu: "Der Sozialstaat wird mehr und mehr zum Sündenbock gestempelt, gegen den es die Freiheit und den wirtschaftlichen Fortschritt zu verteidigen gebe, als ob es der Staat als solcher sei, der die "Explosion der sozialen Kosten der ökonomischen Rationalisierung verursache. Wessen Freiheit ist da konkret gemeint, und Fortschritt wohin und für wen?"

Die gleichen Fragen würde ich euch gerne einmal stellen, liebe bürgerliche Parteien.
Dabei wäre der Grundsatz so einfach: Freiheit und Selbstverantwortung heisst nicht einfach, in Anarchie zu verfallen und den Menschen ein "hier habt ihr, kommt damit klar" vor den Latz zu knallen. Wenn der Liberalismus - der echte Liberalismus - von Freiheit spricht, dann spricht er von "grosstmöglicher realer Freiheit aller BürgerInnen". "In einer wahrhaft freiheitlichen Gesellschaft findet die legitime Freiheit des Einen ihre ethische Grenze stets im gleichberechtigten Anspruch aller anderen."

In unserer Gesellschaft hängt die reale Freiheit wesentlich von der verfügbaren Kaufkraft ab. Wenn unser Wirtschaftssystem aber jene Leute begünstigt, die über die eine oder andere Art von verwertbarem Kapital verfügen und ihnen in die Hände spielen, dann begünstigt sie nicht die Freiheit - dann verkleinert sie sie.

Eine wahrhaft liberale Gesellschaft bevorzugt keine Lebensform vor der anderen, sondern überlässt es ihren freien und mündigen Bürgern, diese Entscheidung für sich zu treffen. Der Markt kann diese Freiheit alleine nicht schaffen, denn er bevorzugt jene Menschen, die über das verfügen, was von ihm gerade besonders gefragt ist. Obwohl - und das ist der Punkt - viele Leistungen in unserer Gesellschaft unabdingbar sind, um die sich die Marktlogik keinen Deut schert und scheren soll. Kinderbetreuung, Altenpflege, Kultur, Zusammenleben... würden zum Beispiel alle Frauen, die jetzt zugunsten der Kindererziehung auf ihre Marktintegration verzichten, mit der Arbeit, die sie leisten, aufhören, wäre unsere Gesellschaft in wenigen Wochen im Chaos versunken.

Freiheit, Selbstentfaltung und Chancengleichheit – das ist politischer Liberalismus. Und so sehen auch die Werte aus, die eure Vorgänger, die Gründer unseres Staates, vertreten haben, liebe FDP. Und ich weiss nicht, warum wir sie für den Profit von ein paar Privilegierten Kapitalbesitzern aufgeben sollten.

Wenn ihr den Liberalismus endlich wieder an ein Menschenbild knüpft – wenn euch endlich wieder die Anliegen freier, selbstständiger Bürger wichtiger sind als jene eines unzivilisierten Marktsystems – dann wäre ich vielleicht auch bereit, euch zu wählen.

Eure,

rareb
12.6.07 22:25


Suisse multilingue

Obwohl die Schweiz vier Landessprachen hat, beherrschen die meisten ihrer Bewohner nur ihre Muttersprache wirklich. Alle lernen zwar eine zweite oder sogar eine dritte Landessprache in der Schule, verlieren die Kenntnisse mit der Zeit aber wieder, weil sie sie nicht benötigen.

Ich selbst habe auch immer erzählt, dass die Schweiz nicht wirklich mehrsprachig ist. Nun muss ich vielleicht mein Urteil etwas differenzieren.

Das Klischee, dass ein Romand und ein Deutschschweizer Englisch sprechen, wenn sie sich treffen, ist meistens falsch. Und dass sie dann nur Französisch sprechen, ebenfalls.

Das Team, in dem ich arbeite, ist mehrsprachig. Wir sind vier Deutschschweizer und drei Romands. In der Kaffeepause kommen noch eine Romand und zwei Deutschschweizerinnen aus einer anderen Abteilung dazu. Und gesprochen wird... meistens die Sprache, in der angefangen wurde.

Wenn die Romands zuerst am Kaffeetisch sind, wird Französisch geredet - wenn die Deutschschweizer zuerst da sind, Hochdeutsch. Wenn sie ganz unter sich sind, Schweizerdeutsch.

Grundsätzlich kann jeder seine eigene Sprache sprechen - und wir verstehen uns. So läuft es auch bei wichtigeren Sitzungen. Trotzdem ist es meistens angenehmer, in einer gemeinsamen Sprache zu sprechen. Und die ist nie Englisch. Die ist immer entweder Deutsch oder Französisch. Gleichberechtigt.

Toll. Gelebte Mehrsprachigkeit existiert. In der Bundesverwaltung. Das ist irgendwie beruhigend zu wissen. Und für jemanden wie mich, der nach dem Studium mehr oder weniger zweisprachig ist, sehr bereichernd.
21.6.07 19:45





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