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Wohin Wahlpropaganda führen kann...

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blog auf die geschmackloseren Seiten des Schweizer Wahlkampfs aufmerksam gemacht. Das berüchtigte SVP-Schäfchenplakat:

Hier der Link dazu

Nun wird klar, wer sich von solcher Propaganda besonders angezogen fühlt... das Plakat wurde nämlich in Deutschland kopiert:

Von der hessischen NPD

Wohl bekomms!
1.10.07 17:29


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Rastlos, nicht heimatlos

Ich habe drei Orte, die ich als Heimat bezeichnen würde.

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, für die "Heimatort" nicht nur ein Eintrag auf der Identitätskarte ist. Mein Heimatort ist ein kleines Dorf in einem Seitental in den Alpen - es ist das Dorf, in dem mein Vater aufgewachsen ist, in dem meine Grosseltern väterlicherseits bis zu ihrem Tod gelebt haben. Es ist auch der Ort, an dem sich meine Eltern durch einen seltsamen Zufall kennengelernt haben.

An diesem Ort sind meine Wurzeln. Da muss ich hin, wenn ich das Gefühl habe, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Ich habe nie dort gewohnt, ich kenne ihn nur von den regelmässigen Besuchen. Dennoch spüre ich eine besondere Verbindung mit den Wäldern, Wiesen und schroffen Felsen dort - und mit dem Bach, der direkt am Elternhaus meines Vaters vorbeifliesst, oder auch mit der kurvenreichen Strasse, über die man das Dorf erreichen muss.

Meine Grossmutter ist gestorben, als ich sieben Jahre alt war. Deswegen ist für mich der Friedhof im Dorf ein wichtiger Ort - es ist eine Möglichkeit, meine geliebte Oma zu besuchen, obwohl sie längst nicht mehr unter uns weilt. Meine Familie hat einen sehr schönen, holzgeschnitzten Grabstein für sie anfertigen lassen. Es ist eine Kopie der Maria von Rickenbach, einem Wallfahrtsort, den man über einen Pass von dem Dorf aus erreichen kann und zu dem die Familie früher einmal im Jahr, am eidgenössischen Buss- und Bettag gepilgert ist.

Der zweite Ort, den ich Heimat nenne, ist das Haus meiner Eltern, in dem ich aufgewachsen bin. Seltsamerweise fühle ich mich dort weniger tief verwurzelt als in meinem Heimatort - das Haus ist viel selbstverständlicher einfach da. Ich fühle mich, obwohl ich dort geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, nicht wie eine Einheimische. Liegt vielleicht auch daran, dass meine Mutter von "auswärts" gekommen ist.

Ich denke, den wahren Wert dieses Hauses und dieses Ortes wird mir erst aufgehen, wenn er einmal nicht mehr in Familienbesitz sein sollte. Ich hoffe, das wird noch lange nicht der Fall sein.

Den dritten Ort, den ich als Heimat bezeichnen würde, ist kein Ort im eigentlichen Sinn, sondern ein Verkehrsmittel: die Eisenbahn. Für den "Nachruf" meines Laptops hatte ich ausgerechnet, dass ich in den letzten vier Jahren ca. 65'000 km alleine zwischen Genf und dem Wohnort meiner Eltern zurückgelegt hatte. Bevor ich in Genf war, legte ich während 8 Monaten wöchentlich etwa 400 km zurück, weil ich zwischen meinem Arbeitsort und meinem Wohnort gependelt hatte und am Wochenende jeweils nach Hause fuhr.

Davor war ich für die Union der Schülerorganisationen tätig und fuhr mindestens einmal im Monat nach Bern. Auch heute noch fahre ich fast alle 14 Tage einmal hin und her, weil mein Praktikum in Bern ist und die Zeitung, für die ich als freie Mitarbeiterin arbeite in Uri.

Etwas vom Schlimmsten an meinen vier Monaten Arbeitslosigkeit war die eingeschränkte Mobilität - ich hatte zwar das Generalabo, mit dem ich unbeschränkt im Schweizer Eisenbahnnetz herumfahren kann, immer noch - aber das Arbeitsamt verlangte, dass man erreichbar war. Und selbst wenn ich herumreisen wollte - ich hätte kein Ziel gehabt. Wie will man shoppen, wenn man kein Geld hat auszugeben? Wie sollte ich mich selbst motivieren, etwas zu tun, wenn ich mich überflüssig fühlte und unsicher war, wie lange es dauern würde, bis ich irgendwo unterkam?

Ich kann immer noch nicht autofahren. Meine einzige Möglichkeit zur Mobilität sind die Öffentlichen Verkehrsmittel, wenn ich nicht zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs sein will. Auch deshalb sind Züge so etwas wie zu einer Heimat für mich geworden. Etwas, mit dem ich eine ausgeprägte Hassliebe verbinde.

Es ist anstrengend, dauernd auf Achse zu sein - dauernd hin und her zu reisen, umsteigen, Verspätungen (die in der Schweiz zum Glück höchst selten sind) hinnehmen... aber ich fühle mich nicht richtig lebendig, wenn ich nicht unterwegs sein kann. Wenn ich nicht am Fenster sitzen, mit den Kopfhörern im Ohr und die Landschaften an mir vorbeiziehen sehen kann. Die Jahreszeiten, wie sie kommen und gehen - immer die gleichen Landschaften, die ich fast schon auswendig kenne und die sich doch langsam verändern. Die SBB sind, ohne dass ich es gewählt hätte, zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden.

Vor etwas mehr als einem Monat durfte ich für die Zeitung über einen Anlass berichten, in dem Tessiner und Urner Autoren ihre Texte über die Gotthardbahn lasen. Ich habe aus Geldmangel nur zwei Bücher gekauft. Eines davon eine Sammlung mit Ausschnitten aus Romanen und anderen Texten, die mit der Gotthardbahn zu tun haben. Ein sehr spannendes, sehr interessantes Buch, das ich in den letzten Wochen in meinen Zugsreisen gelesen habe... dabei ist mir aufgefallen, dass auch viele meiner eigenen kurzen Texte in der Bahn spielen. Denn es gibt wenig Orte, an denen ich in den letzten Jahren mehr Zeit verbracht hätte als in Zugsabteilen, unterwegs, quer durch die Schweiz.

Hans Magnus Enzensberger hat in seinem Essay "die grosse Wanderung" die These aufgestellt, dass der Mensch nie sesshaft geworden ist, dass die riesigen Migrationsströme, die es immer gegeben hat, darauf hindeuten, dass wir im Herzen immer Nomaden geblieben sind. Genauso fühle ich mich auch - es ist für mich im Moment ein Greuel, mich irgendwo definitiv sesshaft zu machen. Aber jeden Tag an einem anderen Ort zu sein wäre mir auch zu viel. Ich mag es, mehrere "Stützpunkte" zu haben und immer ein wenig auf Achse zu sein. Solange ich entscheiden kann, wann ich wo meinen Koffer öffnen möchte. Vielleicht lerne ich das Autofahren irgendwann doch - aber ich bin sicher, dass die Eisenbahn kaum ganz aus meinem Leben verschwinden wird.
4.10.07 00:26


Faszination Raumfahrt - eine persönliche Geschichte

Vor 50 Jahren schickten die Sowjets mit der Sojus-Rakete den ersten Sateliten ins All. Damit wurde das Wettrüsten im Weltall erst richtig lanciert und fand seinen Höhepunkt in der ersten Mondlandung 1969.

Die Raumfahrt gehörte schon immer zu den faszinierensten und beängstigsten techinischen Fortschritte, die der Mensch in den letzten Jahren gemacht hat.

Meine Eltern waren am Anfang ihrer Teenagerjahre, als die Amerikaner auf dem Mond landeten. Es war für sie, wie für viele andere auch, die erste Fernsehübertragung, die sie gucken durften. Die Faszination über so viel neues haben sie meinen Geschwistern und mir wohl wie nebenbei mitgegeben.

Geschichte fand so einen Weg in mein Leben, ohne dass ich gemerkt hätte, dass es sich dabei um ein Schulfach oder eine wissenschaftliche Disziplin handeln könnte. Sie war einfach da. Meine Eltern sind Sammler. Sie werfen selten etwas weg, auf jeden Fall keine Bücher. Meine Mutter hat eine kleine Sammlung von Sachbüchern, die meisten kindergerechte, sie ist schliesslich ausgebildete Lehrerin. Viele dieser Bücher stammten aus einer Zeit kurz vor 1969 und danach - aus einer Zeit also, in der man sich von der Raumfahrt viel erträumt und erhofft hatte.

Diese Träume, die Hoffnungen, aber auch die Ernüchterung, die sich nach den ersten Apollomissionen eingestellt hatte, haben mich schon als Kind begleitet.

Seltsamerweise hat das nicht zu einer Liebe für Science Fiction geführt. Ich konnte mit fiktiven Raumschiffen und technisierten Fernsehserien nie besonders viel anfangen. Was mich an der Raumfahrt interessiert hat und was mir gleichzeitig extrem viel Respekt eingeflösst hat, war die echte, die wirkliche Raumfahrt.

Wir haben als Kind nie Kunstmuseen besucht - mit dieser Art von Museum hätte ich damals auch wenig anfangen können. Stattdessen ging die Reise mindestens einmal im Jahr ins Verkehrshaus Luzern.

Es ist immer noch eines meiner liebsten Museen überhaupt. Das Verkehrshaus stellt alte Transportmittel aus - vor allem Eisenbahnen, aber auch Autos, Flugzeuge, Schiffe, Kommunikationsmittel wie Telefone, Radio, Fernsehen - und eben die Raumfahrt. Diese Ausstellungsstücke wirkten immer sehr irreal, unbegreiflich irgendwie. Menschen, die sich in winzigen Kapseln ins All schiessen liessen, die irgendwann wieder landeten und sich in der Zwischenzeit von diesem seltsamen Weltraumessen aus den Plastiktüten ernährten und in den Raumanzügen herumliefen, von denen man sich kaum vorstellen konnte, wie sie einem Menschen passen könnten.

Auch heute noch bekomme ich ein dieses Gefühl, wenn ich Bilder von der Mondlandung sehe. Es war für mich als Kind schon schwierig, mir die Erde vorzustellen, diese Kugel mit dem vielen Wasser, dem Land und ich als winziger Punkt irgendwo mittendrin - mir vorzustellen, dass es Möglichkeiten, aber auch Grenzen, gab, sie zu verlassen, beanspruchte immer meine ganze Phantasie. Ich kann es kaum nachfühlen, wie sich die Astronauten von Apollo 11 gefühlt haben müssen, quasi als menschliche Versuchskaninchen an Bord dieser Kapsel zu sitzen und gleichzeitig an einen Ort aufzubrechen, an dem vor ihnen noch kein Mensch gewesen war.
Noch krasser muss es wahrscheinlich für Juri Gagarin gewesen sein, als er als erster Mensch überhaupt ins All geflogen ist - aber da es in meiner Kindheit die Sowjetunion noch gab, wurde hier nur von Apollo 11 gesprochen.

Laika hingegen kannten wir natürlich auch. Ihr Schicksal fand ich immer so unvorstellbar grausam. Die Tatsache, dass man einfach einen Hund ins All geschickt hat und dass man sich nicht darum gekümmert hat, sie wieder zurückzuholen.

Wir hatten damals ein Buch mit 366 Geschichten aus Weltgeschichte und Wissenschaft - eine der Geschichten war jene von Laika. Ich glaube, es war damals eine schlechte Gutenachtgeschichte, denn ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil mir das arme Tier so leid getan hat.

Vielleicht hatte ich deswegen beim Gedanken an Raumfahrt immer ein so mulmiges Gefühl. Das Wissen, dass bei man ein solches Experiment nicht überleben kann, wenn etwas schiefläuft. Das Wissen, dass man sich damit in eine lebensfeindliche Umgebung begibt. Ich wüsste nicht, ob ich so viel Vertrauen in die Bodencrew aufbringen könnte wie die Astronauten, die zum Mond oder jetzt zur ISS fliegen. Aber gerade das macht ein grosser Teil der Faszination für das Thema aus.
4.10.07 22:33


(Halb)direkte Demokratie - Teil 1

Da ein Grossteil meiner bisher unter "Gedanken" gelisteten Beiträge eigentlich politisch sind, fand ich es sinnvoll, eine neue Kategorie dafür zu erstellen.

Der Grund, warum ich eine neue "Serie" über die direkte Demokratie anfangen will, war einerseits eine Diskussion mit RowenaR und andererseits die persönliche Feststellung, dass ausserhalb der Schweiz sehr viel Unwissen über dieses Thema herrscht. Ich fühle mich in der Lage, hier ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten, darüber, was mit diesem Instrument erreicht werden kann und was eben nicht.

In einem ersten Teil möchte ich die Instrumente der direkten Demokratie in der Schweiz vorstellen. Da ich meine Unterlagen dazu nicht hier habe und es jetzt schon ein wenig spät ist, behalte ich es mir vor, später Ergänzungen und Korrekturen zu machen. Manchmal täuscht man sich in der Erinnerung auch bei Dingen, bei denen man sich eigentlich gut auskennt. Nun aber genug der Vorwarnungen:

Die (halb-)direkte Demokratie in der Schweiz besteht auf Bundesebene grundsätzlich aus drei Grundpfeilern: Wahlrecht, Referendumsrecht und Initiativrecht.

Das Wahlrecht gibt es in allen Demokratien auch. Es gliedert sich in zwei unterschiedliche Rechte - aktives Wahlrecht, das heisst, das Recht, seine Vertreter zu wählen und passives Wahlrecht, das heisst, selbst als Vertreter gewählt werden zu können.
In der Schweiz darf das Volk alle vier Jahre die Zusammensetzung des Parlaments wählen. Dieses besteht aus zwei Kammern: Nationalrat und Ständerat.

Der Nationalrat hat 200 Sitze. Diese werden proportional nach Bevölkerungsanteil auf die Kantone verteilt. Das heisst, bevölkerungsarme Kantone erhalten wenige Sitze, bevölkerungsreiche mehr - wobei jeder Kanton mindestens einen Sitz hat.
Im Ständerat sind (fast) alle Kantone gleich stark vertreten. Jeder Kanton hat 2 Sitze, mit Ausnahme der beiden Basel, der beiden Appenzell und Ob- und Nidwalden. Diese Kantone - sie waren früher Halbkantone, die sich freiwillig aufgeteilt hatten - haben jeweils einen Sitz. Der Grund, warum diese Aufteilung beibehalten wurde, obwohl die sechs Halbkantone mit der Verfassungsreform im Jahr 2000 zu Vollkantonen wurde, ist sehr pragmatisch: hätten sie je zwei Stimmen, wäre die Übermacht der Deutschschweizer Kantone im Vergleich zu den anderen Kantonen zu gross.

Die vereinigte Bundesversammlung, das heisst, die 246 Parlamentarierinnen und Parlamentarier, wählt daraufhin für vier Jahre den 7-köpfigen Bundesrat. Hierbei werden alle Kandidaten einzeln gewählt, wobei zuerst die amtsälteste Person antritt und danach absteigend bestimmt wird.

Auch das Referendumsrecht hat zwei Pfeiler: das obligatorische und das fakultative Referendum.

Beim obligatorischen Referendum werden Parlamentsbeschlüsse automatisch dem Volk zur Abstimmung unterbreitet. Es betrifft alle Verfassungsänderungen, sowie den Beitritt zu Organisationen kollektiver Sicherheit oder supranationalen Gemeinschaften und Notgesetze ohne Verfassunggrundlagen, die länger als ein Jahr dauern.
Damit diese Änderungen in Kraft treten können, braucht es die Zustimmung von Volk und Ständen - das bedeutet, einerseits muss mindestens die Hälfte aller Stimmenden das Referendum annehmen, andererseits müssen auch mindestens die Hälfte der Kantone zustimmen. Die Stimmen der Kantone werden berechnet, indem jeweils die Mehrheit der Stimmenden in diesem Kanton bestimmt wird. Wenn also zum Beispiel 53% aller Urner einem Referendum zustimmen, sagt der Kanton Uri Ja zu diesem Referendum.
Dieses Verfahren, bei dem Volk und Kantone zustimmen müssten, wird auch "doppeltes Mehr" genannt.

Es gibt auch ganz seltene, spezifische Fälle, in denen für ein obligatorisches Referendum nur das Volksmehr nötig ist.

Alle anderen Parlamentsbeschlüsse unterliegen dem fakultativen Referendum. Das heisst, 50'000 Stimmberechtigte (per Unterschriftensammlung) oder 8 Kantone können innerhalb von 100 Tagen eine Volksabstimmung verlangen. Damit diese Änderungen in Kraft treten, braucht es aber nur das Volksmehr, das heisst, ein Ja der Hälfte aller Stimmenden reicht, selbst wenn eine Mehrheit der Kantone dagegen wäre. Dieses Verfahren nennt man "einfaches Mehr".

Das letzte Instrument der halbdirekten Demokratie in der Schweiz ist das Initiativrecht. 100'000 Stimmberechtigte können per Unterschrift innerhalb von 18 Monaten eine Verfassungsänderung verlangen. Es besteht die Möglichkeit, eine Totalrevision der Verfassung zu fordern - dann muss das Volk (einfaches Mehr) zuerst abstimmen, ob man eine Revision will oder nicht. Wenn der Antrag angenommen wird, muss das Parlament einen neuen Verfassungsvorschlag unterbreiten, über den dann bei doppeltem Mehr abgestimmt wird.

Sehr viel häufiger ist aber die Initiative auf Teilrevision der Verfassung. Die gleiche Anzahl Stimmberechtigter kann die Änderung einzelner bestehender Artikel oder die Aufnahme eines neuen Artikels mit einer Initiative vorschlagen.
Wenn ich zum Beispiel das Stimmrechtsalter von 18 auf 16 senken wollte, müsste ich Unterschriften für eine Initiative sammeln, die Art. 136 der Bundesverfassung ändert.

Initiativen, die zustande kommen, das heisst, die die nötigen 100'000 Unterschriften innerhalb der Frist von 18 Monaten gesammelt haben, kommen zuerst zur Beratung ins Parlament. Dort wird nicht nur darüber abgestimmt, ob man die Initiative zur Annahme oder Ablehung empfehlen will - das Parlament kann auch einen Gegenvorschlag formulieren, der dem Volk gleichzeitig mit der Initiative zur Abstimmung unterbreitet wird.

Über Initiativen stimmt das Volk immer ab, auch wenn das Parlament sie zur Ablehnung empfielt. Da es sich um Verfassungsänderungen handelt, ist immer das doppelte Mehr notwendig. Abgestimmt wird nur dann nicht, wenn der Initiativtext gegen zwingendes Völkerrecht verstösst oder wenn das Initiativkomitee die Initiative zurückzieht. Das geschieht meistens dann, wenn das Komitee mit dem Gegenvorschlag des Parlaments einverstanden ist. Dann wird gemäss den Referendumsbestimmungen gehandelt - das heisst, besteht der Gegenvorschlag aus Gesetzesänderungen, gilt das fakultative Referendum, sind es Verfassungsänderungen, muss obligatorisch abgestimmt werden.


Die juristischen Bestimmungen, die ich eben aufgezählt habe, klingen so ziemlich kompliziert und vielleicht ein wenig trocken - sie helfen aber, besser zu verstehen, an welchen Stellen in der Schweizer halbdirekten Demokratie eingreifen kann.

Zuallererst auf der Ebene der klassischen parlamentarischen Demokratie, indem es seine Vertreter selbst wählt. Die Schweizer haben sich damit aber nicht zufrieden gegeben. Die Verfassung kann nur dann geändert werden, wenn Volk und Kantone einverstanden sind. Das ist noch nicht unbedingt ungewöhnlich. Ungewöhnlich sind die beiden Instrumente des fakultativen Referendums und der Initiative.

Das heisst, für jede Gesetzesänderung kann die Zustimmung des Volkes verlangt werden, wenn man die 50'000 Unterschriften zusammenbekommt. Auf der anderen Seite haben die Schweizer die Möglichkeit auch ausserhalb des Parteiensystems direkt Vorschläge für Verfassungsänderungen einzubringen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Initiativen kaum funktionieren, wenn man nicht einen genügend grossen Verwaltungsapparat hinter sich hat, über den man die Unterschriftensammlung und die Lobbyarbeit organisieren kann. Mit anderen Worten - das Initiativrecht wird neben Parteien vor allem von grossen Nichtregierungsorganisationen verwendet.

Wie diese Instrumente im konkreten politischen Alltag wirken, das heisst, die Seite, an der die Politikwissenschaft besonders interessiert ist, werde ich in einem nächsten Teil vorstellen.
5.10.07 23:41


Stadtmensch oder Landmensch?

Im Französischunterricht mussten wir im Untergymnasium, ich war etwa 15 Jahre alt, mal darüber diskutieren, ob wir lieber in der Stadt oder auf dem Land leben wollten. Ich erinnere mich immer an solche unspektakulären und eigentlich unwichtigen Details.

Der Ausgang der Diskussion war eindeutig. Von 22 Schülerinnen und Schülern wollte nur eine einzige später in der Stadt leben. Jene, die schon damals jeden Freitag und Samstag in den Bars herumhing und einen Kerl nach dem anderen abschleppte und das Leben auf dem Land hier dementsprechend öde fand.

Wir waren uns damals also mehr oder weniger einig, dass im Grünen zu leben viel besser war als in der lärmigen, geschäftigen Stadt und dass wir uns das alle später nie antun wollen würden. Vielleicht lag es daran, dass niemand von uns zu diesem Zeitpunkt je in einer Stadt gewohnt hatte.

Mir ist diese Diskussion von damals deshalb so lebhaft in Erinnerung geblieben, weil sich meine Meinung mittlerweile geändert hat. Ich lebe seit fünf Jahren, mit einem Unterbruch, in der Stadt. Vier davon in der wohl kleinsten Weltstadt überhaupt, in Genf und seit einem halben Jahr in Bern. Ich möchte nicht mehr dauernd auf dem Land leben.

Mein neuer Traum ist eine Wohnung in einer Altstadt. Ich bin damals in Genf auf den Geschmack gekommen. Vor zwei Jahren bin ich für ein Jahr in ein kleines Zimmer im Home St. Pierre gezogen. Aus meinem Fenster konnte ich direkt auf die Kathedrale sehen. Das Glockenspiel jede Viertelstunde störte mich nicht. So sehr ich manchmal mit dem bescheidenen Zimmer und vor allem dem morgendlichen Lärm der Putzfrau haderte - ich liebte den Standort! Die Tatsache, dass ich aus dem Haus konnte und mitten in der pitoresken Altstadt war, war einfach wunderbar. Es machte viel mehr Spass, morgens aus dem Haus zu gehen und abends nach Hause zu kommen, wenn man in einer solchen Umgebung lebt als an meinem ersten Wohnort in Genf, wo ich im Industriegebiet wohnte.

Da ich immer noch nicht autofahren kann, ist für mich Wohnen in der Stadt viel praktischer als auf dem Land. Ich komme zu Fuss, mit dem Velo (Fahrrad) oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fast überall hin. Ich kann jederzeit spontan ins Kino gehen und ich mag die unterschiedlichen Gebäude hier, das grosse Angobt an Einkaufsläden, Cafés und Restaurants und die Möglichkeit, unter Menschen und trotzdem anonym zu sein. Auch wenn gerade letzteres natürlich seine Probleme hat.

Im Augenblick könnte ich mir nicht vorstellen, irgendwo auf dem Land zu leben, weit weg von allem. Denn von allen Schweizer Städten aus ist man mit der Bahn schnell und komfortabel auf dem Land. So habe ich die Vorteile von beiden Orten quasi komprimiert. Das tollste ist aber, dass wenn ich eine Schweizer Stadt zum Wohnen auswählen könnte, dann wäre es Bern - und da wohne ich schon.

Bern ist klein und gemütlich, aber nicht zu klein. Es ist das politische Zentrum der Schweiz - und da Politik mein Arbeitsfeld ist, bin ich an der Stelle, an der die Dinge passieren. Bei schönem Wetter kann man von hier die Alpen sehen. Man ist schnell in Luzern, Zürich, Basel und auch in der Westschweiz - ebenso schnell ist man in den Bergen und mit dem neuen Lötschberg-Tunnel sogar im Wallis.

Hier ein paar Impressionen vom letzten Frühling
7.10.07 23:34


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