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Jane Austen - Pride and Prejudice

Wieder einmal ein Fall von "ausdauernde Überredungskunst", die mich dazu gebracht hat, eine Nacht durchzulesen.

Natürlich kannte ich die Grundpfeiler von Pride and Prejudice schon lange... Elizabeth Bennet, die am Ende ihren Mr. Darcy doch noch kriegt, sind längst Teil des Allgemeinwissens geworden. Trotzdem hatte ich mich jahrelang geweigert, das Buch zu lesen - weil ich Vorurteile hatte, um es mit dem Buchtitel auszudrücken.

Alles, was ich darüber wusste - vor allem aus Fernsehserien - war, dass es das "typische Frauenbuch" war, bei dem all die überromantischen Leserinnen herzzerreissend heulen und da ich mich selbst zum unromantischen Teil der weiblichen Bevölkerung zähle, konnte mich mir nicht vorstellen, dass ich diesem Buch irgendwas würde abgewinnen können.

Nun wurde ich aber immer wieder darauf angesprochen und langsam wurde ich dann doch neugierig. Es konnte ja nicht schaden... und als ich mal wieder zu früh am Bahnhof war und nichts zu lesen dabeihatte, kaufte ich mir kurzerhand in der Bahnhofsbuchhandlung (die grosse Rettung in der Not!) eine billige Penguin-Classics-Ausgabe von Pride and Prejudice, mit der Überzeugung, ich würde das Buch lesen, meine Klischees bestätigt sehen und damit ein Stück Ruhe mehr haben.

Und wie immer... erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Das erstens umfasst unter anderem, dass ich meine Tasche mit meiner Wäsche im Zug hatte liegenlassen, weil ich so von dem Buch gefesselt war, das zweitens, dass ich wie gesagt die ganze Nacht durchgelesen hatte, bis ich das Buch durchhatte.

Wie soll ich sagen... das Vorurteil, das Buch wäre unrealistisch und übertrieben romantisierend, stimmt definitiv nicht. Ich würde sogar sagen, es ist für unsere Verhältnisse extrem unromantisch... mit Ausnahme der Tatsache, dass die Sprache natürlich sehr gewählt und ausschweifend ist, wie es in der damaligen Zeit üblich war und sich manche Leute vielleicht seufzend wünschen, dem wäre heutzutage immer noch so.

Mich hat das Buch fasziniert, weil die Charaktere mit viel Witz und oft genug Ironie gezeichnet sind, trotzdem glaubwürdig wirken. Man kann einfach eintauchen in diese Welt, die aus meiner Perspektive fremd und exotisch wirkt - weil das Thema zeitlos ist.

Es gibt viele Menschen, die sich intensiver mit Jane Austen auseinandergesetzt haben und die klügere Dinge über sie sagen können als ich, deswegen lasse ich das alles auch. Aber ich kann jetzt auf jeden Fall nachvollziehen, warum es Leute gibt, die dieses Buch immer und immer wieder lesen.

Für mich war es oft genug befremdlich und schwierig, mich in die Situation der Frauen in der damaligen Zeit hineinzuversetzen, in eine Situation, in dem man als Frau ab einem gewissen Alter ohne Mann in seiner Existenz bedroht war. Gerade wenn Charlotte Lucas den unerträglichen Mr. Collins heiratet, weil sie sagt, sie könne nicht wählerisch sein und es wäre wohl ihre einzige Chance auf einen Heiratsantrag, konnte ich mir das aus meiner heutigen Perspektive nur schwer vorstellen.

Der Heiratsmarkt schien damals ohnehin oft genug eher einem Viehmarkt zu ähneln, auf dem junge Männer und Frauen einander fast schon verkauft wurden - und das einzig relevante Kriterium zuweilen zu sein schien, wieviel Einkommen pro Jahr jemand in die Ehe mitbringen würde. Wenn die Betroffenen selbst nicht so sprachen, dann zumindest ihre Angehörigen... es versteht sich von selbst, dass ich Mrs. Bennet weder verstehen noch leiden konnte, aber ich habe den Verdacht, das muss so sein.

Die BBC-Verfilmung habe ich mittlerweile auch gesehen, die ist sehr nahe am Buch und natürlich auch wundervoll umgesetzt. Es ist bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich mit der Geschichte zu tun hatte. Ich schätze, ich reihe mich dann doch auch mal in die Reihe von Frauen ein, die dieses Buch mögen...
4.2.08 20:39


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Robert Harris - Fatherland

gelbes_gilatier hat so von dem Buch geschwärmt, dass ich neugierig wurde und es auch haben musste.

Es ist das erste Buch, bei dem ich schon auf den ersten Seiten bereut hatte, das englische Original und nicht die deutsche Übersetzung gekauft zu haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde - aber hier hat es mich tatsächlich irritiert, dass der englische Text voller eingestreuter deutscher Begriffe (natürlich vor allem aus dem Nazi-Vokabular) war. Auf den englischsprachigen Leser müssen diese Begriffe authentisch, ja vielleicht sogar exotisch wirken und zum Lesegenuss beitragen - mich als deutschsprachige Leserin liessen sie jedesmal darüber stolpern und erinnerten mich daran, dass die Geschichte eigentlich in meinem Sprachraum spielen würde...

aber beginnen wir von vorne.

"Fatherland" ist eine klassische "was wäre gewesen wenn..."-Geschichte. Was, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten? Wenn der kalte Krieg nicht zwischen den USA und der UdSSR getobt hätte, sondern zwischen USA und dem Grossdeutschen Reich? Vor diesem Hintergrund, im fiktiven Berlin von 1964, dem 75. Geburtstag des Führers, spielt dieser Politthriller.

Das beunruhigende daran ist, dass Robert Harris seine Hausaufgaben exzellent erledigt hat. Das Berlin, das er zeichnet, ist lebendig, man kann es nicht nur sehen, man kann es beinahe fühlen, riechen... der ganz alltägliche Wahnsinn des siegreichen Naziregimes wird erschreckend real. Menschen, die Uniformen tragen... Menschen, die wegen Verstössen gegen die Rassengesetze einvernommen oder verklagt werden... das alles ist Alltag, es ist für die Figuren normal und erst einmal nicht in Frage gestellt.

Der Horror beim Lesen kommt zu Beginn gar nicht einmal vom Inhalt der Geschichte selbst, sondern verbindet sich vielmehr mit allem, was man selbst als Leserin über das Naziregime und dessen Greueltaten weiss.

Diese Vision einer Welt, in der die Geschichte anders verlaufen wäre, ist beklemmend. Denn sie zeigt auch, wie extrem die Geschichte immer von den Siegern geschrieben wird und wie schwierig es ist, die Fakten zu interpretieren. So wäre nach dem Bild, das dieses Buch zeichnet, zum Beispiel bei einem Sieg der Nazis heute wohl nicht Hitler, sondern Stalin als der grösste Verbrecher aller Zeiten in die Menschheitsgeschichte eingegangen.

Die Schweiz spielt in dem Buch übrigens ebenfalls eine Rolle, auch wenn die doch hart am Klischee vorbeischrammt. (Ein neutraler Fleck inmitten des grossdeutsch dominierten Europa, auf dem aber das Geld und die Wertsachen der ganzen Welt gelagert sind)

Mehr möchte ich über den Inhalt des Buches gar nicht sagen. Lest es selbst! Es lohnt sich. Aber man sollte gute Nerven haben, denn wenn man den Inhalt ernst nimmt, besonders auch jene zitierten Originaldokumente, dann ist es sehr aufwühlend.

Der letzte Thriller in einem ähnlichen Stil, den ich gelesen hatte, war Dan Browns "da Vinci Code". Wer Dan Brown mochte, sollte Robert Harris unbedingt lesen! Aber man muss sich darauf vorbereiten, hinterher einen wesentlich schlechteren Eindruck von Dan Brown zu haben als vorher. (Gut, ich muss gestehen, dass ich Dan Brown eh nicht mag...) Die Tiefe und Genauigkeit der Recherchen in Fatherland hat mich umgehauen - Robert Harris kennt die Geschichte sowohl der Zeit, in der seine Story spielt als auch jener, auf die er sich beruft, unglaublich gut. Und nicht nur das - er macht sie auch noch lebendig, dass sie richtig glaubwürdig erscheint. Der Politthriller, der sich darin abspielt, ist in einem ähnlichen Strickmuster wie etwa jener im da Vinci Code (Fatherland wurde aber bereits im Jahr 1992 geschrieben) - nur, dass Brown exzentrischer ist, schlampiger mit Fakten umgeht und effekthascherischer schreibt.

Fatherland jedenfalls bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken, liest sich aber trotzdem gut und flüssig. Für Unterhaltungsliteratur ist der Stoff zu düster und drastisch, für" hohe Literatur" hingegen ist der eigentliche Plot zu konventionell. Das, was das Buch wirklich ausmacht, sind vor allen Dingen seine lebendigen Bilder.
9.2.08 00:14


Friedrich Glauser: "Matto regiert"

Neues in der Reihe "rareb liest Schweizer Autoren", ein Buch, das ich im Anschluss an eine Diskussion über Kriminalromane gekauft habe. Friedrich Glauser gilt als einer der ersten Krimiautoren überhaupt und "Matto regiert" als sein Meisterstück.

Wir hatten in der Schule von Glauser bereits "Der Chinese" als Beispiel gelesen, als wir Kriminalromane behandelt hatten. Aus diesem Grund war mir Glausers Biographie auch im Hinterkopf noch präsent und sie liess sich beim Lesen auch nicht so richtig ausblenden.

Denn obwohl "Matto regiert" ein "Wachtmeister-Studer-Roman" ist, in dem ein Kriminalfall geläst wird, geht es eigentlich um mehr, es geht um die feinen Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn, die nur allzuoft vermischen.

Wachtmeister Studer ermittelt in der fiktiven Irrenanstalt "Randlingen" im Kanton Bern. Es ist eine Welt, die der Autor Glauser aus eigener Erfahrung kennt. Zu dieser Zeit, Mitte der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts, gehört die Psychoanalyse noch zu einer von vielen modernen, experimentellen Behandlungsmethoden - psychisch Kranke werden vielerorts einfach weggesperrt, so gut es geht beruhigt, ohne Chance oder Hoffnung auf Heilung.

In dieser Welt regiert Matto, wie ihn der Schizophrenie erkankte Patient Schül nennt, der Geist des Wahnsinns. Und je weiter Studer in seiner Fahndung kommt, je mehr Personen in den Fall verwickelt werden und je verwirrender die Fakten werden, desto mehr stellt sich auch die Frage, wer in der Irrenanstalt eigentlich die Kranken und wer die Gesunden sind. Und Matto, so erfährt man, hat seine Fäden längst weit über die Anstaltsmauern hinaus gesponnen.

Am hellhörigsten wird man aber, wenn Glauser von diesem Redner im Radio spricht, der zweihunderttausend Männer und Frauen als begeisterte Zuhörer hätte und von der Achtung erzählt, die er seinem Land, seinem Volk seit seiner Machtergreifung verschafft hat. Der Arzt fragt sich, wo Mattos Reich aufhört. "Der Mann, der soeben sprach, hat Glück gehabt... Wäre er zu Beginn seiner Laufbahn einmal psychiatrisch begutachtet worden, die Welt sähe vielleicht ein wenig anders aus." Da schreibt er 1936. Glauser ist 1938 gestorben, er erlebte nicht mehr mit, wie genau er damit die Wahrheit getroffen hatte.

Auf der anderen Seite liest man, zumindest aus heutiger Perspektive, das Buch auch mit einigem Entsetzen, wenn von den anderen experimentellen Behandlungen gesprochen wird, denen die Patienten ausgesetzt werden - immer im Dienste der Wissenschaft. Da werden Menschen absichtlich mit Krankheiten angesteckt, weil eine Infektion bei anderen Patienten zur Heilung der psychischen Störung geführt hat - auch wenn dadurch fast jede Nacht ein bis zwei Särge aus der geschlossenen Abteilung abtransportiert werden. Es ist ein hoffnungslos fortschrittsgläubiger Zeitgeist, in dem der Wissenschaft kaum Grenzen gesetzt sind.

Am Ende lässt einen der Roman reichlich ratlos zurück. Der Kriminalfall ist zwar gelöst, in dem Sinne, dass man nun weiss, wer welche Taten begangen hat und auch, warum... dennoch schlägt man das Buch nicht erleichtert, sondern eher beunruhigt zu. Wer regiert eigentlich? Wer bestimmt über das Schicksal anderer? Und wer hat letztlich mehr Schuld, derjenige, der den Mord begangen hat, oder derjenige, der ihn aus paternalistischer Sorge (oder Allmachtphantasie) deckt?

"Matto regiert" ist auf jeden Fall keine leichte Krimikost, aber ein spannendes Buch, das die scheinbar klare Ordnung einer Welt ins Wanken bringt und einen Blick hinter die Kulissen eröffnet.

Wie es sich für Nicht-Schweizer liest, kann ich allerdings nicht sagen. Glauser schreibt in einer Mischung aus Hochdeutsch, Schweizer-Hochdeutsch (die Art Hochdeutsch, die ein Schweizer spricht, wenn er Mundartgrammatik und -wendungen eindeutscht) und Berndeutsch, auch ein paar Fetzen Französisch kommen vor. Ich könnte mir vorstellen, dass es für jemanden, der die Mundart nicht kennt, ziemlich exotisch wirken kann und viele Stellen gänzlich unverständlich sind, weil sie so an lokale Gepflogenheiten anknüpfen. Trotzdem - wer sich die Mühe geben möchte, das Thema ist interessant.
21.2.08 22:42


The Fellowship of the Ring - Kino im Konzertsaal

Mein heutiger Konzertbesuch war fast schon nostalgisch angehaucht. Seit über einem halben Jahr habe ich nichts mehr mit der Herr-der-Ringe-Community zu tun, schon etwas länger haben sich meine Interessen in andere Richtungen verschoben. Dass ich trotzdem zu diesem aussergewöhnlichen Konzert ging, lag daran, dass ich einer meiner Cousinen und ihrem Mann zur Hochzeit einen Konzertbesuch schenken wollte und die Idee mir gefiel.

Das 21st Century Orchestra Luzern führte im Luzerner Kultur und Kongresszentrum (KKL) eine besondere Weltpremiere auf: the Fellowship of the Ring, der erste Teil der Filmtrilogie, in einem der besten Konzertsäle Europas aufgeführt, begleitet von Livemusik mit Chor und Orchester.

Während also auf der Leinwand der Film lief, spielte auf der Bühne das Orchester, an den lauten Stellen manchmal so laut, dass man den Film nicht mehr hörte, an anderen so, dass man vergass, dass die Musik vor Ort entstanden war.

Da die Musik für mich schon immer das beste Nebenprodukt der Filmtrilogie war, gab dieses Konzert ihr sicher den Platz, den sie auch haben sollte.

Auf der anderen Seite überforderte die Aufführung aber die Sinne beinahe. Sollte man dem Orchester zusehen und genau auf die Musik hören? Oder sich doch eher auf den Film konzentrieren? Oder hin- und herwechseln? An manchen Stellen bekam man Gänsehaut von der Musik, an anderen Stellen zog die Handlung alle Aufmerksamkeit auf sich, obwohl ich sie schon auswendig kenne.

Vor knapp einem Jahr habe ich die Lord of the Rings Symphony im selben Konzertsaal gehört - das ist die Bearbeitung der Filmmusik aller drei Filme für Orchester. Im Vergleich schneidet die heutige Aufführung schlechter ab. Die Tatsache, dass in der Symphonie kein Film von der Musik ablenkt, sondern nur Zeichnungen und Bilder zur Geschichte an die Wand projiziert werden, liess mich die Musik intensiver erleben. Man hörte die ganzen Feinheiten heraus, sah die teilweise exotischen Instrumente und konnte die Augen schliessen und sich den Film vorstellen.

Dennoch, ich bleibe dabei, die Filmmusik gefällt mir sehr gut, insbesondere jene Motive, die das Publikum in die Fantasiewelten der Elben, Hobbits und Zwergenreiche entführen., die fremd und exotisch klingen. Trotzdem oder gerade deswegen berühren sie mich.

Ich habe für die Rückreise das Buch wieder eingepackt, das ich vor einigen Jahren mehrmals nacheinander wiedergelesen hatte - ich hatte gedacht, das Konzert würde mich vielleicht auf den Geschmack bringen, es wieder einmal zu lesen. Als ich es aber heute im Zug aufschlug und die ersten paar Zeilen las, berührte es mich nicht mehr. Ganz ohne es richtig zu merken, bin ich weitergegangen und habe den Herrn der Ringe zurückgelassen. Fürs erste zumindest.
25.2.08 00:28





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