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Die Spannung steigt!

In 4 Tagen ist es soweit: Europa wird nach Österreich und in die Schweiz blicken, wenn während knapp eines Monats das beste Fussballteam Europas bestimmt wird. Oder zumindest jenes mit am meisten Wettbewerbsglück.

Da ich selbst wirklich kein Fussballfan bin, verzichte ich auch darauf, irgendwelche fussballrelevante Kommentare hier abzugeben. Ich denke, ich würde mich nur blamieren.

Ich habe dennoch vor, in den nächsten Tagen regelmässig über das Thema zu schreiben, da ich mit Bern in einer der Host-Cities wohne, nicht einmal einen Kilometer vom Stade de Suisse entfernt.

Entgegen miesepetriger Berichte im Vorfeld, z.B. auf Spiegel Online ist die Vorfreude hier in Bern schon sehr gross. Im Bahnhof hängen schon seit Wochen die offiziellen Flaggen und seit letzter Woche ist auch die Altstadt und die Tramlinie ausflaggiert. Viele Autos haben bereits Schweizerfahnen montiert, an einzelnen Häusern hängen Flaggen und auf der Strasse sieht man immer mehr Leute in Fussball-T-Shirts herumlaufen.

Das tollste daran ist aber, dass viele Leute Flaggen mehrere Länder aufgehängt haben oder man Freunde in Trikots unterschiedlicher Mannschaften friedlich zusammen auf der Strasse sieht - selbst, wenn es Holländer und Franzosen sind, die später in Bern gegeneinander spielen werden. In der Strasse meiner Eltern, weitab des grossen Fussballgeschehens, haben ein paar Nachbarn sogar eine Leine gespannt und Fahnen für alle Mannschaften aufgehängt, die jemand im Block unterstützt. Fast alle 16 teilnehmenden Teams sind so vertreten. Egal, was gewisse rückwärtsgewandte Kräfte im Land sagen - wenn es um Fussball geht, sieht man, wie multikulturell die Schweiz wirklich ist.

Deshalb: die Schweiz ist bereit für das Fussballfest, lasst euch bloss nichts anderes einreden!

Ich persönlich jedenfalls bin sehr gespannt, wie die Atmosphäre hier sein wird, wenn die ausländischen Fans erstmal da sind. Kleinere Fanaufmärsche bin ich mir ja von Meisterschaftsspielen bereits gewohnt - aber eine Europameisterschaft ist natürlich ein ganz anderes Kaliber. Meine Strasse wird an den drei Berner Spieltagen für den Verkehr gesperrt sein, dafür werden auf der Fanmeile Verkaufsstände aufgebaut werden. Noch kann man sich das in unserer ruhigen Strasse kaum vorstellen. Da alle drei Berner Spiele von der Holländischen Mannschaft gespielt werden, erwarten wir, dass die Stadt eineinhalb Wochen lang in oranger Hand sein wird.
2.6.08 22:45


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Heute geht's los!

Der Countdown im Fernsehen sagt, dass es noch knapp 5 Stunden geht, bis zur Eröffnung der Euro und wie man sich denken kann, gibt es hier in der Schweiz längst kein anderes Thema mehr.

Naja, fast.

Das Hauptthema im Moment ist das Wetter - denn hier haben wir Pech. Es ist arschkalt und nass hier. Das wirkt schon ein wenig dämpfend auf die Stimmung. Gemäss Wetterbericht soll es die nächsten Tage nur bedingt besser werden.

Dennoch war in den letzten Wochen viel los. Überall wurden die letzten Fahnen aufgehängt, die Fanzonen errichtet und die Infrastruktur für die Gäste bereitgestellt.

Ich hatte eigentlich die Stadt Bern kurz vor der Eröffnung noch fotografieren wollen, aber mir hat das Wetter ebenfalls einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Deshalb hier nur ein paar Eindrücke.

Die Fanzone in Bern war am letzten Mittwoch noch im Aufbau:

Fanzone Bern im Aufbau

Fanzone Bern im Aufbau

Auf der zukünftigen Fanmeile im Breitenrainquartier sieht man auch noch nicht viel. Ausser die Abschrankungen, die schon bereitstehen (und es schwer machten, am Breitschplatz aus dem Tram auszusteigen.):

Die Fanmeile vor der Euro

Und schliesslich der Countdown am Zytglogge:

Photobucket

In den vier Schweizer Hostcities gab es gestern Abend bereits zahlreiche Konzerte und Parties - ich konnte leider in Bern nicht teilnehmen, weil ich gerade in der Zentralschweiz bin. Gespannt bin ich dann vor allem auf Montag, wenn das erste Spiel in Bern über die Bühne geht.

Über Fussball schweige ich mich lieber weiter beharrlich aus - heute Abend spielt die Schweiz im Eröffnungsspiel gegen Tschechien. Die Schweizer sind zuversichtlich und hoffen auf einen Sieg, der den Taumel so richtig anstossen würde - die bereits nach Basel angereisten tschechischen Fans hoffen natürlich das Gegenteil.

Spannend dürfte in der Gruppe A auch der erste Auftritt von Top-Favorit Portugal heute Abend in Genf gegen die Türkei sein. Nicht nur aus fussballerischer Sicht natürlich - sondern auch, weil in Genf viele portugiesische Gastarbeiter wohnen, die sich schon an der Euro 04 jeweils bei jedem Sieg ihrer Mannschaft lautstark bemerkbar gemacht hatten.
7.6.08 13:27


Start mit Wermutstropfen

Während die Nati mit viel Pech einen totalen Fehlstart hingelegt hat, scheint die Organisation bisher nahezu reibungslos abgelaufen zu sein. Irgendwie fast schon typisch Schweizerisch, dass man erst eine solche Aufhebens über Sicherheit und alles macht - und am Ende läuft alles besser als man gedacht hat.

Die Freude hier ist doch etwas getrübt, da die Schweizer gestern so gut gespielt haben wie schon lange nicht mehr - und dennoch verloren haben.

Wenn man allerdings dann das zweite Spiel am Abend zwischen Portugal und der Türkei angesehen hat, dann merkt man schnell, dass die Schweizer in einer ganz anderen Liga spielen als unsere Nationalmannschaft.

Die Europameisterschaft ist aber wie jedes sportliche Grossereignis nicht einfach nur ein Fussballereignis - es geht eben auch darum, dass sich Nationen friedlich messen können. Das ist letztlich der Grund, warum es Leute wie mich interessiert.

Besonders erfreulich ist, dass diese Wettkämpfe bisher zumindest, wie schon an der WM in Deutschland, als Spiele gesehen werden - in denen man zwar die eigene Mannschaft unterstützt, aber am Ende auch mit den Gegnern mitfeiert. Ich hoffe, das bleibt auch beim Spiel gegen die Türkei so - die Beziehungen der Schweizer und die Türken sind ja seit der WM-Qualifikation auf dem Fussballplatz etwas vorbelastet.

Hier in Bern ist derweil alles in oranger Hand. Man sieht zwar auch Italiener auf der Strasse, aber die holländischen Fans stechen jetzt schon raus. Man merkte am Bahnhof sofort, dass etwas anders war.

Für die EURO waren die Geschäfte in der Innenstadt heute offen und auch sonst sind wesentlich mehr Leute unterwegs als normal. Und ich glaube, Schweiz und Bern Tourismus werden sich ebenfalls freuen - denn es scheint, als würden die holländischen Fans, leicht erkennbar ganz in leuchtendem Orange gekleidet, die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen.

Auch das Wetter ist mittlerweile besser - lasst uns mal hoffen, dass dies morgen auch noch so sein wird, wenn dann die Niederlande hier gegen Weltmeister Italien spielen.

Jetzt ist aber erst einmal Österreich dran, das heute als Gastgeber und als Fussballmannschaft heute die Premiere gibt. Und da es gestern für die Schweiz so unglücklich gelaufen ist - drücke ich heute Österreich die Daumen.
8.6.08 17:20


ORANJE!

In Bern gibt es seit heute nur eine Farbe: Orange!
Es ist wirklich unglaublich, was hier gerade abgeht. Schon, als ich nach der Arbeit auf die Strasse kam, war die Innenstadt und der ganze Weg bis zu meiner Wohnung voller Leute und alle in Orange.

Bern hat definitiv eine Heimmannschaft - und es ist nicht die Schweiz. Es wäre wirklich schwierig, sich hier nicht mitreissen zu lassen. In den Seitenstrassen reiht sich Wohnmobil um Wohnmobil - meine Schwester, die heute Mittag am Bahnhof war, sagt, man hätte nur Orange gesehen.

Die Stimmung ist ausgelassen und bisher absolut friedlich hier.

Allerdings sind wir heute auch mit der typisch schweizerischen Pedanterie in Kontakt. Wir haben uns das Spiel im ersten Stock eines Cafés direkt bei der Fanzone angesehen - die Fanzone war längst übervoll gewesen. Erstmal wurde der Breitbildschirm in dem Café pünktlich zu Beginn des Spiels ausgeschaltet, weil irgendwer (die Stadt oder die UEFA oder wer immer?) es verboten hatte.

Überpünktlich, genau auf den Glockenschlag um 22 Uhr ging dann auch noch das Licht aus und die bemitleidenswerten Angestellten des Cafés mussten das Haus räumen. Obwohl es beim Ausgang kaum ein Durchkommen gab und die zweite Halbzeit nur noch etwa 20 Minuten dauerte. Ich bin überzeugt, in jedem anderen verdammten Land dieser Welt hätten sie ein Auge zugedrückt und die Leute den Match zu Ende sehen lassen. Aber nicht in der Schweiz. Die Angestellten haben tatsächlich die Polizei gerufen um die Leute aus dem Haus zu werfen...

tja, deswegen hatten wir dann auch das 3:0 der Oranjes gegen die Italiener verpasst. Wir waren schon unterwegs nach Hause. Ich entschuldige mich hiermit auch offiziell bei allen Gästen für die "Tüpflischiisseri" meines Landes.

Dennoch: an diesem ersten Spieltag hier stand Bern Kopf und es kann ruhig die nächsten zwei Spielen ebenfalls so werden. Und natürlich drücken wir der "Heimmannschaft" die Daumen.

Bilder kommen dann morgen.
10.6.08 00:03


Schweizerische Sauberkeit

Als ich heute früh im Tram zur Arbeit fuhr, war die Stadt schon wieder in weiten Teilen wie immer. Die Installationen der Public-Viewing-Zonen in der Innenstadt und die penetrante Alkoholfahne, die noch über der Stadt zu hängen schien, waren das einzige, was noch an die orange Invasion vom Vorabend erinnerte.

Ich muss zugeben, diese Effizienz machte mir etwas Angst. Gestern noch waren bis in die frühen Morgenstunden orangegekleidete Fans ausgeflippt und haben den Sieg der holländischen Mannschaft gefeiert - und heute sah die Stadt wieder so blitzblank aus, wie die meisten ausländischen Städte in ihrer ganzen Existenz nie waren.

Es sieht fast so aus, als würden die Schweizer nur erlauben, auch mal auszuflippen, wenn man hinterher sofort die Spuren wieder verwischt.

Jedes Mal, wenn ich aus dem Ausland wieder zurückkomme, freue ich mich darüber, dass hier in der Schweiz alles genauso läuft, wie es geplant wird, dass ich mich auch als junge Frau nachts ohne Angst alleine auf die Strasse wagen kann und dass man nicht dauernd auspassen muss, wohin man tritt.

Trotzdem wirkt diese effiziente Sauberkeit etwas neurotisch. Ephraim Kishon hat mal eine Satire darüber geschrieben, wie unmöglich es für ihn gewesen sei, in Zürich seinen Abfall wegzuschmeissen - die Abfalleimer seien nämlich nur zur Dekoration da, seinen Abfall müsse man selbstverständlich mitnehmen. Ein Fünkchen Wahrheit ist darin - wenn man die politischen Debatten um "Littering" (ein furchtbares Wort, vor allem, wenn es auch noch in der Verbform benutzt wird - "er hat gelittert") und "Vandalismus von Jugendlichen" hört, bei denen man meinen könnte, die Schweiz würde bald wie Neapel unter Bergen von Abfall versinken. Leute - niemand ist weiter davon entfernt als wir! (Gut, Singapore ist wohl eine ernstzunehmende Konkurrenz, aber die schaffen das nur mit rigoroser Gesetzgebung. Die Schweizer machen das auch noch freiwillig!)

Aber das ist auch etwas, das passiert, wenn ein Land keine echten Probleme hat und sich jenen, die es hat, beharrlich verweigert und Vogel Strauss spielt. Das hat aber nichts mit der EURO und auch nichts mit Fussball zu tun.
10.6.08 23:42


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