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Trittst im Morgenrot daher...

Gestern hat die Schweiz Geburtstag gefeiert - sagten uns zumindest die vielen Werbeplakate von Firmen, die vom 1. August profitieren wollten. Gleichzeitig wurde nämlich in den Medien fleissig auf ein Buch eines Historikers aufmerksam gemacht, der die "wahre" Geschichte der Zentralschweiz im 13. und 14. Jahrhundert erzählt.

Er bestätigt darin zuerst einmal, was man eigentlich schon immer wusste oder zumindest ahnte. Der Bund, der angeblich 1291 geschlossen wurde, war vor allem dazu da, dem herrschenden Adel in der Region die Macht zu sichern; von freien Bauern und Kämpfen für die Freiheit konnte keine Rede sein. Zumal der Brief offensichtlich erst Anfang des 14. Jahrhunderts geschrieben und rückdatiert wurde.

Tod den Gründungsmythen der Schweiz also? Ist es wirklich schlimm zu erfahren, dass die Schweiz zu jener Zeit damals nicht anders war als die umliegenden Länder?

Ich finde, nein. Wer so denkt, hat die Wichtigkeit von Mythen nicht begriffen. Es ist für die Geschichtswissenschaft sehr wichtig zu erfahren, wie es damals wirklich war, um die Eidgenossenschaft in den Kontext zu setzen und so neue Erkenntnisse zu bringen. Diese Tatsachen - sofern man in der Vergangenheit überhaupt von Tatsachen sprechen kann - sollten deshalb nicht aufgrund von Mythen verschwiegen werden.

Der Umkehrschluss, Mythen ausmerzen zu wollen und das Verständnis des Landes einzig auf die Fakten abzustüzen, ist aber ebenso falsch. Menschen brauchen Mythen, Legenden und Sagen. Es scheint uns geradezu ein Bedürfnis zu sein, unsere Existenz und Ereignisse um uns herum mit Hilfe von Geschichten zu deuten und ethische Überlegungen oder gar Belehrungen in dieser Form auszudrücken. Wer glaubt, in unserer so sehr auf Tatsachen behafteten Gegenwart gäbe es keine solchen Mythen und Märchen mehr, der soll sich auf Snopes (auf Englisch) umsehen. Auch wenn die Geschichten sich auf dieser Seite auf den englischsprachigen Raum beziehen, ist es erstaunlich, wieviele davon auch hier als Sagen herumgeistern, die angeblich der Freundin einer Bekannten der Schwester passiert sind.

Persönlich habe ich deshalb überhaupt keine Mühe damit, dass meine Vorfahren hier in der Zentralschweiz nicht so heroisch gewesen sind, wie wir sie uns später, insbesondere im 19. Jahrhundert gemacht haben. Die Gründermythen der Schweiz zeigen vielleicht nicht, wie die Eidgenossen damals waren, sie sagen aber sehr viel darüber aus, wie wir unsere Vorfahren und damit auch uns selbst sehen wollen. Das Schweizer Politiksystem, das mit der Gründung des modernen Bundesstaates 1848 startete, ist ein umsichtiges, ausgeklügeltes System, das niemandem zu viel Macht zusteht, das trotz aller Mängel und aktueller Krisen dafür sorgt, dass die Demokratie hier ausserordentlich stabil ist und dass Entscheidungen getroffen werden, die breit abgestützt sind und deshalb eine starke Legitimation haben.

In den Zeiten, als unser kleines Land von Grossmächten mit Territorialambitionen umgeben war und in denen "Nation" unter dem Motto "eine Sprache, ein Lebensraum, eine Regierung" propagiert wurde, waren die Gründermythen für das Land überlebenswichtig. Das Bild der störrischen Bergler, die sich nicht von fremden Mächten knechten lassen und selbst über ihre Herrscher entscheiden wollten, gab ihnen die Legitimität, diese Freiheit immer noch für sich zu beanspruchen. Es war ausserdem ein Mythos, der es der Willensnation aus vier verschiedenen Landessprachen, zwei grossen Religionsgemeinschaften und grossen Stadt-Land-Unterschieden erlaubte, sich unter einer politischen Identität zusammenzuraufen. Mit dem Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung konnten sich alle identifizieren.

Die Schweiz hat deshalb eine lange freiheitliche, demokratische Tradition, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so lange zurückreicht, wie die Schweizer es gerne hätten - und die Schweizer sind auch heute noch bereit, für diese Freiheit und die Demokratie zu kämpfen, wenn sie sie bedroht sehen. (Manchmal auch zu ihrem eigenen Nachteil.) Die Gründermythen zeigen das Ideal auf, dem die Schweizer nacheifern wollen. Es ist ein Qualitätssiegel für diese Mythen, dass sie in die ganze Welt exportiert wurden (und mit Schiller's Willhelm Tell gar in die Weltliteratur eingingen) - und es ist ein Grund, stolz darauf zu sein, selbst wenn sie Dichtung und nicht Wahrheit sind.
2.8.08 11:58


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Rezept: St. Galler Klostertorte

Das Lieblings-Kuchen-Rezept meiner Familie:

Photobucket

180g Margarine (oder Butter) schaumig rühren

150g Zucker und
2 kleine Eier beifügen und nochmals rühren, bis der Zucker gut aufgelöst ist

150g gemahlene Mandeln
80g Schokoladenpulver
1 TL Zimt
1 TL Backpulver
300g Mehl
1 Prise Salz
alles beifügen, zu einem Teig zusammenkneten und ca. 10 min. kaltstellen

ca. 1 Joghurtbecher Johannisbeerkonfitüre

Eine Springform einfetten, 2/3 des Teigs für den Boden verwenden, diesen glatt streichen und mit der Konfitüre bis ca. 1 cm Rand bedecken. Unter den restlichen Teil noch etwas Mehl mischen und den Kuchen entweder mit Gitterstreifen oder ausgestochenen Förmchen garnieren. Den Rand als letztes markieren.

Backen: 180°, ca. 50 min. Nach dem Backen mit Puderzucker leicht bestäuben oder vor dem Backen mit Ei bepinseln.
2.8.08 21:35


Milena Moser - Sofa, Yoga, Mord und Markus Zusak - The Book Thief

Wieder zurück aus dem Urlaub und bevor ein Reisebericht kommt (dafür brauche ich etwas länger), hier schon mal die Rezensionen der beiden Bücher, die ich unterwegs gelesen habe.

Milena Moser - Sofa, Yoga, Mord
Auf der Suche nach Urlaubslektüre habe ich das Buch auf dem Wühltisch im Kaufhaus gefunden. Meine Schwester, die dabei war, hat es mir empfohlen. Sie liest es auch gerade, allerdings auf Französisch.

Als Urlaubslektüre eignet es sich denn auch hervorragen. Milena Moser hat einen herrlichen Plauderstil, in dem sie ihre Geschichten erzählt. Man lernt die Hauptfiguren mit all ihren Macken kennen, dennoch sind sie liebenswert - gerade, weil sie so verschroben sind.

Bei Sofa, Yoga, Mord geht es um eine Schweizerin, Lily, in San Francisco, die vor ihrer Mutter dorthin geflüchtet ist, da diese sie zur Superheldin erziehen wollte und damit nach Ansicht der Tochter kläglich gescheitert ist. In den Sommerferien ist ihr Stiefsohn, das einzige Familienmitglied, mit dem sie noch Kontakt hat, abwesend und sie versinkt im Selbstmitleid. Der einzige Fixpunkt in ihrem Leben sind die Power-Yogastunden, zu denen sie vom benachbarten Yogastudio sozusagen verdonnert wurde.

Aber das ist erst der Anfang, denn bald steht ihr Vater vor der Tür, von dem sie enttäuscht war, nachdem sie in der Pubertät erfuhr, dass der Liebhaber ihrer alleinerziehenden Mutter kein Rock- oder Filmstar war, sondern der biedere Dorfarzt. Und im Yogastudio gibt es eine Tote... tragischer Unfall oder Mord?

Eine Reihe absurder Verwicklungen zwingen die gescheiterte Superheldin dazu, aus ihrem Kokon auszubrechen.

Das Buch liest sich süffig und unterhaltsam. Man kann über die Absurditäten schmunzeln und erkennt amerikanische und schweizerische Befindlichkeiten nur allzu treffend wieder. Bei einigen Passagen fragt man sich, wieviel eigene Erfahrung von Milena Moser eingeflossen sind, die ja auch längere Zeit als Schweizerin in San Francisco gelebt hat. Insbesondere, wenn sie schildert, wie Lily nach dem 11. September von den Amerikanern abgekanzelt wurde.

Trotz aller Unterhaltung war ich am Ende des Buches etwas ratlos. Es schien, als hätte sie einfach keine Lust mehr gehabt und wollte den Fall schnell auflösen. Zuerst stockt die Suche nach den Ursachen für die Toten Seitenlang - und am Ende kommt die (sehr offensichtliche) Lösung dann plötzlich sehr abrupt.

Die Tatsache, dass verschiedene Figuren im Buch ganz selbstverständlich mit Toten sprechen, diese bisweilen sogar Autofahren oder von anderen Figuren gesehen werden, verwirrte mich ein wenig. Nicht so sehr, dass sie es taten, sondern vielmehr, dass es von allen Beteiligten als eine Selbstverständlichkeit angesehen wurde, dass diese und jene Verstorbene gerade im Raum stand und eine andere regelmässig zu den AA-Treffen ging. Irgendwie schienen die alle einen kleineren oder grösseren Knall zu haben. Dieser allerdings wird bei den Yoga-Anhängern wieder geradezu liebevoll aufs Korn genommen.

Das einzige, was mich aber wirklich gestört hatte, war die Art, wie Milena Moser die fiktiven Zeitungsberichte formuliert hat. Man merkt, dass sie offensichtlich nicht oft journalistische Texte geschrieben hat - sie verharrt auch in diesen Berichten in ihrem gewohnten Plauderstil. Auf diese Art würde nicht einmal ein Yoga-Journal, das über einen Skandal schreiben will, seine Artikel präsentieren. Wahrscheinlich reagiere ich darauf besonders sensibel, weil ich selbst als Hobbyjournalistin bin. Ich masse mir nicht an, das Handwerk wirklich zu kennen, aber die Grundzüge sind mir bekannt - und ich fand es schade, dass sie diese komplett missachtet hatte.

Alles in allem aber trotzdem ein Buch, das zum Abschalten und Entspannen durchaus geeignet ist.

Markus Zusak - The Book Thief

Dieses Buch war ein Zufallskauf - das schöne Coverbild, pergamentfarben, mit dem Tod, der mit einem Mädchen tanzt, hat mich fasziniert, ebenso wie die Tatsache, dass der Tod als Erzähler der Geschichte fungieren sollte.

Obwohl ich es mit diesen Erwartungen gekauft hatte, war ich etwas skeptisch, ob es mir gefallen würde - war doch vom Klappentext aus erkennbar, dass es in der Nazizeit spielen sollte. Abgesehen davon, dass ich mit Kriegsliteratur ein grosses Problem habe, weil sie mir schnell zu Nahe geht, geht mir in letzter Zeit die Zweite-Weltkriegs-Fixiertheit breiter Teile der Kultur und Politik langsam auf den Geist.

So abscheulich die Zeit war, so unverständlich und unglaublich der ganze Wahnsinn war - die Fixiertheit darauf verkennt, dass es andere Probleme auf der Welt gibt, andere Diktatoren, die sich ebenso mit Blut bekleckert haben, wenn auch weniger industrialisiert und durchorganisiert. Mich nervt, dass die Symbole aus dieser Zeit immer mehr zu einem Märcheninventar werden, aus dem man schöpfen kann um Gut und Böse zweifelsfrei festzulegen.

In dieser Hinsicht ist "the book thief" zumindest ein wenig anders - die Sympathieträger sind nämlich alles Deutsche, die versuchen, unter diesem Regime irgendwie zu überleben. Solchen, die sogar einen Juden bei sich verstecken und heimlich davon träumen, den Führer zu stürzen.

Das Buch ist sehr poetisch geschrieben und versprüht eine eigenartige Wärme mitten in diesem Wahnsinn - eine Geschichte des Erwachsenwerdens, einer Kindheit im Schatten des grossen Führers und seiner Macht aus Worten. Ich kann durchaus verstehen, dass man das Buch deswegen lieben kann - mir hat dieser Teil auch gefallen.

Dennoch hinterliess es einen schalen Nachgeschmack. Ich kann es immer noch nicht richtig festmachen, woran es lag. Irgendwie war die Geschichte fast zu märchenhaft, die Menschen aus der Nachbarschaft zu "gut" und trotz ihrer derben Fassade zu "gut" - fast, als könnte man die Welt ganz leicht in "gute" und in "böse" Menschen aufteilen und als wären diese von jenen auch noch auf einen Blick zu unterscheiden. Die Figuren blieben irgendwie schemenhaft, ihre Motivationen wurden nicht wirklich klar. Es ging oft mehr darum, eine Atmosphäre zu schaffen, als wirklich eine Geschichte zu erzählen.

Man sollte das Buch deshalb auch so lesen - als atmosphärisches Märchen über ein Mädchen, das langsam erwachsen wird - in einer von Fallen und Feinden durchsetzen Welt, in der sie aber auf helfende und schützende Kräfte setzen kann und in der jene Menschen, die am meisten verteufelt werden, in Wahrheit die gutherzigsten waren. Nur schade, dass dafür wieder einmal die Nazizeit herhalten musste. Ich fürchte manchmal, dass, je weiter diese Zeit zurückliegt, je verschwommener die Geschichte wird, desto leichter vergessen die Menschen, dass diese Schrecklichkeit unvorstellbar und unerbittlich real war - und man die "Monster" nicht, wie die Märchenwelt glauben lässt, schon auf einen Kilometer Gegenwind riechen konnte.
10.8.08 00:13





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