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Wenn sich Alt-68er über die Jugend empören

Seit etwa einem Monat gibt es in der Schweiz keinen Tag, an dem nicht mindestens eine Zeitung - nein, eigentlich jede Zeitung - einen neuen, empörten Bericht über sog. Bottellòns, druckt, einem aus Spanien importierten "Brauch" Jugendlicher, sich spontan an einem öffentlichen Platz zu treffen und dabei natürlich reichlich Alkohol zu trinken. Meistens kommen diese Gruppen über Facebook-Gruppen zusammen. In der besorgten Schweizer Presse nennt man dies "Massenbesäufnisse", die Zürcher Polizeidirektorin hat bereits alle, die daran Teilnehmen "im Hirni obä chrank" genannt.

In Genf, Zürich und Bern haben solche Anlässe nun stattgefunden und im Nachhinein rieben sich alle die Augen, dass mehr Journalisten als Jugendliche anwesend waren, dass sich die Jugendlichen relativ brav verhalten hatten, es kaum Alkoholleichen gab, jedenfalls nicht mehr als an einem normalen Wochenende - mit anderen Worten, es ist so wenig passiert, dass man sogleich die Empörung auf den von den Jugendlichen hinterlassenen Abfall gerichtet hat.

Kaum jemand hat das Phänomen aber bisher medienkritisch angesehen - zu sehr sind die unter Konkurrenzdruck stehenden Schweizer Medienhäuser wohl darauf aus, ihre Quelle nicht versiegen zu lassen. Die Empörung ergiesst sich über die bösen Jugendlichen, die so hirnlos sind, sich über eine Internetplattform zu verabreden und sich zu Tausenden öffentlich zu versammeln - nota bene unter Beobachtung hunderter Journalisten, die jede Regung in einer entsprechenden Facebook-Gruppe sofort landesweit in die Schlagzeilen bringen - vom Radio, übers Fernsehen bis in die gedruckte Presse.

Es ist, als würde man den ohnehin nach Rebellion strebenden Jugendlichen Tag für Tag das Rezept abdrucken - nicht zuletzt in den von allen gelesenen Gratiszeitungen - wie man die Erwachsenen zur Weissglut treiben kann, erst noch ohne dafür belangt zu werden. Ernsthaft, da wird gedruckt, wie man zu einem Botellòn aufruft, wie die Behörden gegen diese Form der Organisation anstehen, dass es in Spanien scheinbar alle tun - und kann erst noch erwarten, am nächsten Tag gross mit Namen und vielleicht sogar mit Bild in allen Zeitungen zu sein.

Ich warte nur schon auf die Meldung, dass nun auch in Oberkrattingen und Hinteralptal die verbliebenen drei Jugendlichen zu einem Bottellòn aufgerufen haben.

Am lustigsten an der ganzen Geschichte ist aber, dass ausgerechnet jene sich am meisten über diese dekadente, hirnlose Jugend aufregen, die sonst jeweils stolz von ihrer 68er-Vergangenheit berichten. Jene, die noch mit 35 kein Stück erwachsen waren, die mit allen Substanzen herumexperimentiert haben, die es nur gab. Die sich zu öffentlichen Massenorgien versammelt haben - und trotzdem keine Angst haben mussten, nicht in die Arbeitswelt integriert werden zu können, wie das heute bei vielen Jugendlichen der Fall ist. Schliesslich herrschte zu jener Zeit immer noch Vollbeschäftigung und Akademiker hatten Arbeitsplatzgarantie auf Lebzeiten.

Ja, diese netten 68er, die jetzt so den Kopf über die "heutige" Jugend schütteln, sind noch der Meinung, sie hätten damals in ihrer Zeit für etwas politisches gekämpft und hätten hohe Ziele und Ideale gehabt - Werte, die es in ihren Augen anscheinend rechtfertigten, sich mit Drogen vollzudröhnen und mit allem Sex zu haben, was zwei Beine hatte. Ich bin sicher, die edlen Kämpfer gegen das bürgerliche Establishment haben dabei ihren Abfall brav in den Abfalleimer geworfen und die Trümmer der eingeschlagenen Scheiben bei den Globuskravallen eigenhändig weggewischt. Jaja... die brave Jugend von damals.

Und diese Leute regen sich ernsthaft auf, dass sie heute ein paar Jugendliche öffentlich mit Alkohol betrinken?

Liebe 68er, ihr werdet alt und verstockt wie eure Eltern!
7.9.08 11:23


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DANKE Dosenbach!

Seit meine Füsse vor etwa 15 Jahren aufgehört haben, zu wachsen und bei Schuhgrösse 42 stehengeblieben sind, war Schuhe kaufen für mich ein Frust. Ich stand oft vor den Regalen, musste mich natürlich immer zum untersten Regal bücken, damit ich die zwei kläglichen Paare aus dem vorigen Jahrtausend ansehen konnte, die es in meiner Grösse gab - und vielleicht, wenn ich Glück hatte, gabs mal eins, das man mit viel Goodwill auch anziehen konnte.

Dosenbach hatte schon immer, wie alle anderen, einzelne Modelle in 42 geführt - allerdings sehr wenige und nur schwer zu finden. Seit neustem aber gibt es einige neue Modelle bis Grösse 44 für Damen! Das heisst, mehr Auswahl, weniger Frust beim Schuhekaufen und endlich ein Unternehmen, das gemerkt hat, dass die Schuhgrössen sich in den letzten Jahren verändert haben! Schliesslich sind die Leute in Westeuropa aufgrund des allgemeinen Wohlstands im Durchschnitt gegenüber ihren Eltern mehrere Zentimeter grösser - dass das vorher noch keinem Unternehmen aufgefallen ist? Ich bin jedenfalls sicher, Dosenbach hat mit seinem Angebot vielen geplagten Frauen, die bisher nur bei den Männergrössen fündig wurden, einen riesigen Gefallen getan!

Da kann man nur sagen: Danke Dosenbach!

Und zieht mal nach, ihr anderen...
9.9.08 23:54


The Dark Knight

Vor zwei Wochen bin ich endlich dazu gekommen, The Dark Knight im Kino zu gucken, nachdem ich so viel darüber gehört hatte. Ich habe die Geschichte um diesen Film verfolgt, seit ich von Heath Ledger's tragischem Tod letzten Januar gehört hatte. Es war damals das erste Mal, dass ich eine internationale Nachricht erfahren hatte, bevor sie von den deutschsprachigen Presseagenturen vermeldet wurde. Ich unterhielt mich damals mit Freundinnen im ICQ, die wiederum amerikanische Newssites lasen.

Gerade weil diese Neuigkeit so schnell bei mir angekommen war, war sie mir damals ziemlich eingefahren. Ausserdem hatte ich Ledgers Karriere seit Brokeback Mountain verfolgt, da ich dort schon der Meinung gewesen war, er hätte für seine Leistung einen Oscar bekommen sollen. Leider dachte man damals wohl noch, man würde ihn zu einem späteren Zeitpunkt berücksichtigen können.

Obwohl der Joker im Vorfeld sehr viel Lob erhalten hat, war ich skeptisch, ob mir der Film gefallen würde. Actionfilme sind normalerweise nicht mein Genre und für die alten Batman-Verfilmungen habe ich mich auch nie wirklich erwärmen können. Von den Comic-Verfilmungen fand ich bisher eigentlich nur den ersten Spiderman nicht schlecht.

Bis zur Pause liess mich The Dark Knight dann tatsächlich ziemlich kalt. Es schien vor allem darum zu gehen, zu zeigen, welche tollen Gadgets Batman sich neu geleistet hat. Auch den Joker konnte man da noch nicht wirklich festmachen. Ich fing schon an, mich zu fragen, warum der Film überall so gut ankommt...

Aber dann ging es endlich richtig los und der Joker fing richtig an, Chaos anzurichten. Von da an wurde der Film wirklich gut. Ich war überrascht, dass eine Comicverfilmung es tatsächlich wagte, wichtige ethische Fragen zu stellen oder wenigstens die Dilemmas aufzuzeigen, in denen sich ethische Entscheidungen oft bewegen.

Das macht den Film extrem aktuell und auch extrem politisch, selbst wenn es einem vielleicht nicht auf den ersten Blick auffällt. Bei mir tritt hier natürlich sofort meine Fachidiotie zu Tage. Für Politologen gibt es meiner Meinung nach kaum spannendere Fragen. Der Joker konfrontiert die Einwohner von Gotham City mit jenen Fragen, die sich die Welt angesichts des Terrorismus in der Realität auch stellt. Es ist wohltuend, dass Batman darauf nicht wirklich abschliessende Antworten liefert - ausser, dass jede Stadt den Helden bekommt, den sie verdient. (Das gleiche könnte man auch über den Bösewicht sagen.)

Darf man einen einzigen Menschen umbringen, um dafür ein ganzes Krankenhaus zu retten? Oder noch aktueller: Darf man alle Handys einer Stadt überwachen, nur um einen einzigen irren Terroristen zu finden?

Am eindrücklichsten war natürlich das Prisoner's Dilemma-Game dargestellt - anhand von zwei Gruppen von Menschen in zwei Fähren, eine mit "normalen Bürgern" und eine mit Verbrechern, von denen jede Gruppe die Möglichkeit hatte, den eigenen Arsch zu retten, indem man die andere in die Luft sprengt. Natürlich konnte Batman sie im letzten Moment retten und das Ergebnis war letztlich das für alle beteiligten Optimale - dennoch war insbesondere die Entscheidung auf der Fähre der "normalen Bürger" hochspannend.

Natürlich gab es eine Abstimmung und natürlich stimmte die Mehrheit dafür, die Verbrecher in die Luft zu sprengen - aber ist man auch bereit, den Knopf zu drücken und damit den Mord zu begehen?

Der Film stimmt jedenfalls nachdenklich und zeigt, dass Menschen nicht immer nur rational entscheiden und dass ethische Entscheidungen manchmal keine schmerzlose Lösung zulassen. (Wie etwa, wenn das Krankenhaus tatsächlich in die Luft fliegt).

Etwas in den Hintergrund tritt neben der Joker-Story die Geschichte um Two-Face, der auf die ethische Frage letztlich eine scheinbar unparteiische und ebenso zynische Lösung gefunden hat: der Zufall. Damit verliert aber aber auch seine Funktion als Hoffnungsträger und "White Knight" von Gotham City.

Ebenfalls etwas unter geht die Entscheidung, die Batman selbst trifft, die Handys aller Einwohner zu überwachen, nur, um den Joker ausfindig zu machen. Die Frage wurde sehr gut gelöst, sie als eine Notlösung für eine Notsituation zu sehen, die Ausführung einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen und die Einrichtung nachher sofort zu zerstören, die Notsituation also nicht zu missbrauchen. Die Figur von Morgan Freeman (ich weiss ihren Namen nicht einmal), ist für mich damit auch so etwas wie ein Held, dass er der Versuchung der Macht nicht verfällt.

Auch die Figur des Batman gewinnt letztlich in der Konfrontation mit dem Joker und den Selbstzweifeln, die ihn daraufhin heimsuchen, enorm an Tiefe, ohne, dass dafür der Holzhammer verwendet werden müsste.

Natürlich bleibt es letztlich doch eine Comic-Verfilmung und ein Action-Film. Es gibt Filme und Bücher, die sich intensiver mit solchen Fragen befassen - aber am Ende ist es in meinen Augen immer noch die grösste Kunst, ernsthafte Inhalte und Unterhaltung zu kombinieren, ohne den Zeigefinger zu schwingen oder den Unterhaltungseffekt zu zerstören. Ich glaube nämlich, dass man damit mehr Leute zum Nachdenken bringen kann, als mit einer oberlehrerhaften oder schwulstigen Produktion.

Aus dieser Warte ist The Dark Knight tatsächlich ein Meisterwerk.
30.9.08 23:20





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