rarebs kleine Welt
  Startseite
    Euro 08
    Küche
    Politik
    Italiano
    Green Hell Blog Tour
    diverses
    Rezensionen
    Gedanken
    Hogwarts
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

Webnews



http://myblog.de/rareb

Gratis bloggen bei
myblog.de





Des Kaisers neue Kleider...

Moderne Kunst ist eine schwierige Angelegenheit. Sie ist verwirrend, oft provokativ und schwer verständlich. Das ist gut so, schliesslich ist Kunst immer auch Abbild der Zeit, in der sie entsteht und das Leben heute ist verwirrend, oft provokativ und schwer verständlich. Aber moderne Kunst ist oft auch einfach nur mehr oder weniger geschicktes Marketing... unserer Gesellschaft ebenfalls nicht fremd.

Aber seien wir auch bodenständig: nicht alles, was uns heute als Kunst verkauft wird, ist auch Kunst. Manchmal fehlt es in der Kunstindustrie einfach an dem unschuldigen Kind aus dem Märchen, das den Kaiser anschaut und ruft: "der ist ja nackt!"

Kunst ist, in meiner Auffassung, eine Ausdrucksform. Statt dass man Worte dafür verwendet um seine Botschaft zu vermitteln, verwendet man Farben, Bilder, Töne, Baumaterialien etc. Ein Werk ist dann ein Kunstwerk, wenn es seine Botschaft mit diesen Mitteln überbringen kann. Sei es, dass es die Emotionen der Menschen anspricht, sie zum Denken anregt oder sonst etwas in ihnen auslöst - etwas, das man auf diese Weise aussagen, verständlich machen wollte.

Ein Kunstwerk versagt hingegen, wenn man es nur verstehen kann, wenn man gleichzeitig ein hundertseitiges Konzept inklusive eigene Interpretation des Künstlers lesen muss. Ein Kunstwerk muss für sich selbst stehen können - sonst ist nicht das Werk die Kunst, sondern der Text und dann hätte man auf das aussagenschwache Produkt verzichten können.

Das heisst natürlich nicht, dass Kunstwerke nur "schöne", konkrete Bilder sind, bei denen man auf den ersten Blick sofort erkennt, was darauf abgebildet ist. Ja, manchmal sind diese Werke sogar nur schön anzusehen, aber sie drücken wenig aus.

Nein, Kunst kann durchaus verwirrend, abstrakt, provokativ sein - vielleicht ist es sogar ihre Aufgabe als Spiegel der Gesellschaft. Aber sie muss für sich selbst sprechen können oder dem Betrachter eine Plattform bieten, sie selbst zu verstehen und zu interpretieren.

Dazu braucht man selbstverständlich eine gewisse Vorbildung. Ich kann einen chinesischen Text auch nicht verstehen, obwohl er sehr viel aussagen kann, solange ich die chinesische Sprache und deren Schriftzeichen nicht erkenne. Dazu brauche ich Unterricht, in der ich die Zeichen und die dazugehörige Sprache kennenlerne. Das gleiche gilt auch für Kunst - ich kann viele ihrer Elemente nur verstehen, wenn ich ihre allgemeine Bedeutung kenne, wenn mir ihre Symbole etwas sagen. Eine Kritik an den zur Produktionszeit des Werks herrschenden politischen Zuständen in einem Land kann ich zum Beispiel nur erkennen, wenn ich mit der Geschichte dieses Landes vertraut bin.

Solche Hilfen sind deshalb wichtig und unerlässlich. Museumsführer, die die gezeigten Stücke in den Kontext setzen, Ausstellungsbeschreibungen usw. haben ihre Existenzberechtigung. Wogegen ich mich aber vehement wehre sind Werkerklärungen durch die Künstler selbst. Wenn der Künstler sein Werk der Öffentlichkeit übergibt, verliert er die Interpretationsmacht darüber, genauso wie ein Autor die Interpretationsmacht über seine Texte verliert, sobald er sie publiziert hat. Ein Künstler darf nicht ausschweifend erklären, "was er mit dem Werk aussagen wollte". Das, was er damit aussagen will, muss der Betrachter sehen können - ohne dass er riesige Anstrengungen unternehmen und sich dabei klein und dumm vorkommen muss - sonst hat der Künstler die falsche Ausdrucksform gewählt.

Natürlich kann es sein, dass Künstler sich heute auf eine Art ausdrücken, die ihrer Zeit voraus ist und die dazu führt, dass sie von den Wenigsten verstanden werden können. Aber das ist ein Schicksal, das kaum dadurch vermieden wird, dass man die Kunst mit einem unverständlichen und pseudo-elitären Gebrabbel überzieht und allem applaudiert, was man nicht verstehen kann. Oder schlimmer, so tut, als würde man es verstehen, weil man sich nicht als Banause outen will, statt zu sagen, dass der Kaiser manchmal keine Kleider trägt.
15.10.07 19:53
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung