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D'Laiwi

Naturphänomene sind in Bergregionen nicht einfach Dinge, die halt passieren. Sie sind personifiziert, fast schon eine Art geheimnisvolle Wesen. Es ist leicht, in diesem Umfeld noch an Geister, Feen und Ungeheuer zu glauben. Natürlich hat die Aufklärung auch unsere Regionen längst erreicht, die Bergler sind nicht weniger modern als alle anderen - aber eine gewisse Faszination und Wertschätzung für die Natur, die sie umgibt, ist geblieben.

Das Beispiel, das mich seit meiner Kindheit an am meisten beeindruckt, ist die Lawine, bei uns "d' Laiwi" genannt. Als ich klein war, habe ich die Welt als etwas belebtes wahrgenommen. Ich konnte noch nicht so gut zwischen unbelebten Dingen und Lebewesen unterscheiden. Alles, was sich bewegt hatte oder einen Namen hatte, hat irgendwie gelebt - und das, was nicht gelebt hat, habe ich mit meiner Phantasie zum Leben gebracht. "D' Laiwi" hat mir deswegen richtig Angst gemacht. Natürlich ist eine Lawine auch wirklich etwas, das einen töten und jede Menge Unheil anrichten kann - aber meine Angst war nicht so konkret. Sie betraf viel eher diese unheimliche Gestalt, die mit Vorliebe mitten in der Nacht mit lautem Rumoren und Getöse den Berg hinunterkam.

Denn die Bergler sprechen nie so prosaisch von "einer Lawine, die sich gelöst hat". Es ist immer "die Lawine" und manche kommen so regelmässig, dass sie sogar einen Namen haben - meist den gleichen wie der Berg, an dem sie sich lösen oder die Rinne, durch die sie ins Tal kommen. Da haben selbst ganz alltägliche Berichte bei jemandem, der mit etwas zu viel Phantasie ausgestattet ist, einen märchenhaften Unterton. Wie in den Sagen, in denen die Naturgeister in die Leben der Menschen hineinspielen.

Ich war noch nie im Winter in einem Bergtal und habe nachts die "Laiwänä" gehört - aber mir reichte schon das "Rumpeln", das man bei Tag mitbekommt um mir einen Schrecken einzujagen. Ich bewundere die Leute, die so ruhig in der Nähe eines Lawinenhangs leben können; nicht nur mit der Angst, einmal mitgerissen zu werden, sollte sie nicht ihren normalen Kurs nehmen - schon alleine mit der dauernden Erinnerung daran, dass es in der Natur Kräfte gibt, die eine unberechenbare Stärke haben. Es klingt so abgedroschen und tausendmal bis zum Klischee wiederholt - aber die Leute in den Bergen oder auch anderen weniger verstädterten Regionen haben einfach eine viel engere Beziehung zu ihrer Umgebung bewahrt. Deswegen sprechen sie auch trotz wissenschaftlicher Aufklärung immer noch von "der Lawine", von ihr, von einer geheimnisvollen "sie" und nicht einfach von einer "große Massen von Eis oder Schnee, die sich von Berghängen ablösen und zum Tal gleiten oder stürzen".

Ein anderer Dauerbegleiter von uns Alpenbewohnern ist übrigens "der Föhn", der auch weit mehr ist als bloss ein Wind. Und von mein persönliches Trauma mit "dem Gestank" erzähle ich ein anderes Mal.
18.11.07 23:26
 


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