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Willkommen im 21. Jahrhundert!

Bevor ich gestern Abend ins Bett bin, wusste ich noch nicht so richtig, was ich von den amerikanischen Wahlen halten und welchen Kandidaten ich nun wirklich unterstützen soll. Es gab für und wider für beide - und gutschweizerisch habe ich versucht, differenziert zu denken.

Als ich heute früh aufgestanden bin und den Fernseher eingeschaltet habe, hatte ich Tränen in den Augen, als ich Obamas Siegesrede hörte. Ich habe noch nie geweint wegen einer politischen Entscheidung. Ich wurde auch nicht emotional, weil der Charismatiker Obama gewonnnen hat, sondern weil mich das Gefühl überwältigt hatte, dass damit das schwere 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen, der ständigen Bedrohung des kalten Krieges und seiner harten Rhetorik zu Ende geht.

Plötzlich scheint alles in Bewegung, was noch vor ein paar Jahrzehnten festgefahren war. Es passt zur Hoffnung, die ich vor zwei Wochen hier über die Emanzipationsbewegung geschrieben habe.

Es ist möglich, dass einer mit einer dunkleren Hautfarbe amerikanischer Präsident werden kann.
Gleichzeitig gibt es in Deutschland eine Bundeskanzlerin und in der Schweiz 3 Bundesrätinnnen.

Dinge, die vor zehn Jahren noch absolut unmöglich erschienen, sind plötzlich möglich. Warum soll da nicht noch mehr möglich sein?

Vor allem aber hat sich eine neue - meine - Generation zu Wort gemeldet. Das ist etwas, was in den Berichterstattungen noch viel zu wenig gewürdigt wurde. Obama hat die Wahl nicht zuletzt deswegen gewonnen, weil viele Mitglieder der als unpolitisch und apathisch verschrienen jüngeren Generation sich mit vollem Elan dafür eingesetzt haben und vor allem auch wählen gegangen sind.

Es ist ein grosser Sieg für die Demokratie, einer, der auch gewürdigt werden sollte, dass die heutige junge Generation auf ihre Mittel vertraut und damit auch Erfolg haben kann - und nicht mehr auf Strasse und Pflastersteine zurückgreifen muss, weil ihnen alle anderen Wege versperrt waren. Dass die Jugend weniger radikal ist, ist nichts, das zu bedauern wäre, sondern etwas, das zeigt, dass das System zu greifen beginnt.

Als Politologin fand ich bemerkenswert und erfreulich, dass für einmal die Botschaft der Hoffnung über jene der Angst gesiegt hat. Das 20. Jahrhundert war geprägt von realer und fiktiver Angst - und gerade die USA hat seine eigene Identität sehr stark darüber definiert, wer "der andere", wer "der Feind" war. Je stärker die USA selbst wurden, desto grösser musste auch "der Feind" sein. Es schien fast, als würde dieses Land durch nichts anderes zusammengehalten, als die Angst vor einem bösen äusseren Feind, für den zu bekämpfen man zusammenhalten musste.

Jetzt gewinnt Obama, den seine Gegner aus dem vorigen Jahrhundert vergeblich als einer "der anderen" verunglimpfen wurde - mit einer Botschaft von Zuversicht, Hoffnung und Zusammenhalt über alle Grenzen hinaus. Es ist aufbauend, zu sehen, dass es möglich ist, mit einer solchen Botschaft eine Wahl zu gewinnen. Ohne gegen Sündenböcke zu wettern, ohne Feinde zu verunglimpfen.

Egal, wie es jetzt weitergeht. Egal, welche Rückschläge noch kommen werden. Amerika hat seinen Traum wieder. Und das ist gut so. Denn wie man in der Schweiz nach der Nichtwiederwahl von Christoph Blocher letzten Winter gesehen hat - solche Signale können Dynamiken auslösen, die niemand für möglich gehalten hätte.
5.11.08 21:32
 


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