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Peter von Matt: Die Intrige - Theorie und Praxis der Hinterlist

Als ich im Oktober in Arosa war, hatte ich den früheren Zug verpasst und musste deshalb im Hotelzimmer noch knapp eine Stunde warten, bevor ich abreisen konnte. Aus Langeweile hatte ich also den Fernseher eingeschaltet - obwohl am Samstagvormittag nicht gerade die interessantesten Sendungen kommen. Dabei blieb ich dann in der "Sternstunde Philosophie" auf SF1 hängen, in der Roger de Weck ein Interview mit Peter von Matt führte. Eigentlich blieb ich hängen, weil der Gast gerade seine Sicht der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg schilderte - er sagte sinngemäss, dass sich die Schweiz seit Jahrzehnten immer wieder durchgewustelt hätte und damit vor den grossen Kriegen des 20. Jahrhunderts verschont geblieben sei. Soweit, so klar. Was mich fasziniert hatte, war die Tatsache, dass er daran nichts schlimmes oder verwerfliches sehen konnte.

Ich schaute weiter und erfuhr, dass das Interview auf Basis eines Buches geführt worden war - ein Buch, in dem der Literaturprofessor Peter von Matt näher auf die Beschaffenheit und Geschichte der Intrige in der Literatur eingeht. Ich musste das Buch haben.

Es ist das erste Sachbuch seit langem, das ich ausserhalb der Arbeit gelesen habe. Und es hat sich gelohnt!

Peter von Matt schildert in verschiedenen Kapiteln, wie Intrigen in der Literatur aufgebaut werden, welche Motive dahinterstecken, wie die Pläne ausgeheckt werden und wie jede Epoche ihre eigenen Intrigengeschichten hatte. Dabei erzählt er sehr viele Geschichten nach, von der Bibel, über Antike und Renaissance bis zur Moderne, die als Literaturgattung die Intrige abgeschafft hat - während gleichzeitig im Krimi und im Spionageroman immer grössere und verzwicktere Intrigengebäude geschmiedet werden.

Das Buch liest sich sehr flüssig und die verschiedenen Geschichten ziehen einen leicht in den Bann - gerade, wenn man die Bücher nicht oder nur zu einem kleinen Teil kennt, auf die er sich bezieht. Peter von Matt setzt nicht voraus, dass man sie kennt - selbst wenn es sich um Klassiker oder Bücher aus dem vermeintlichen literarischen Kanon handelt. Ausserdem rehabilitiert er darin einen wichtigen Teil der vorschnell und oftmals zu unrecht als trivial verschrieenen Literatur.

Mir hat es sehr gefallen, dass er höchst selten in die Arroganz des gelehrten, belesenen Literaturwissenschaftlers schlüpft, der seinen Lesern von oben herab predigt, welche Bücher man als gut zu befinden habe und welche nicht. Das war erfrischend.

Gleichzeitig weiss ich nicht, ob ich das Buch uneingeschränkt empfehlen würde. Obwohl sich von Matt Mühe gibt, verfällt auch er ab und zu in den berüchtigten Geisteswissenschafter-Slang, den man nur schwer versteht, wenn man den entsprechenden Wortschatz nicht anderweitig gelernt hat. Ich konnte einiges noch verstehen, weil ich zumindest eine sozialwissenschaftliche Ausbildung habe - an manchen Stellen konnte ich ihm aber auch nicht mehr folgen. Das Buch war aber trotzdem spannend.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass er sich manchmal etwas in Details zu verlieren scheint oder jedenfalls nicht immer klar wird, warum er diese Intrige jetzt in aller Ausführlichkeit darlegt, während er andere nur streift - und am Ende erscheint es irgendwie beliebig. Ich hätte gerne noch mehr über das Thema gewusst und einige Punkte noch genauer angeschaut.

Schliesslich empfand ich das Buch auch als gute Inspirationsquelle für eigene Geschichten - man erfährt viel übers Schreiben an sich, wie man einen Plot planen könnte, woran man denken muss und wo man damit historisch steht.
27.11.08 22:26
 


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