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Euro 08

Bern im orangen Freudentaumel

Seit Mittwoch ist klar: Die Schweizer sind Holländer - zumindest für die Dauer des Turniers.
In den anderen beiden Deutschschweizer Host-Cities (Basel und Zürich) herrscht der grosse Katzenjammer - das Besucheraufkommen ist kleiner als erwartet, der Absatz der Wirte weit unter den Erwartungen; nur Bern jubelt. Für das Spiel gestern wurde extra eine dritte Fanzone eingerichtet um den ganzen Fanstrom aus Holland und der ganzen Schweiz (alle wollen sehen, was da abgeht) aufzufangen.

Ich stelle mir den Katzenjammer lieber nicht vor, der die Berner Innenstadt erfasst, wenn die Oranje dann nach dem Spiel am nächsten Dienstag nach Basel weiterziehen...

Dafür haben uns die Holländer auch gestern wieder mit einem spannenden Fussballspiel belohnt, bei dem es Spass machte, zuzusehen. Leider war ich selbst nicht in Bern, da ich einen Auftrag für die Zeitung hatte. Das hat mich hinterher ein wenig gewurmt. Wie oft hat man schon den positiven Ausnahmezustand vor der Haustür?

Die Bilder aus Bern sind jedenfalls auch aus der Distanz ansteckend. Man muss schon immun oder Griesgram vom Dienst (wie einer unserer Bundesräte, der sich per Blog über den Lärm beschwert hat) sein um sich von dieser Euphorie nicht mitreissen zu lassen.
14.6.08 11:34


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Es hat nicht sollen sein...

Wir haben so gehofft, wir haben es mit positivem Denken versucht und mitgefiebert - und am Ende hat es doch nicht gereicht. Die Schweizer haben das Spiel gegen die Türkei wirklich in letzter Minute noch 1:2 verloren - das ist bitter, zumal sich die Mannschaft wirklich gut geschlagen hat.

Aber ich möchte auch nicht einstimmen in das allgemeine Unglücksgejammer - wenn man keine Leute hat, die das Tor treffen, dann kann man auch kein Spiel gewinnen. Es war natürlich Pech, dass sowohl Frei als auch Streller verletzt ausfielen - aber es kann ja nicht sein, dass es nur zwei (oder mit Yakin drei) Spieler gibt, die auch treffen können.

Nun, zumindest ist das Schweizer Team eines, das Hoffnung auf die Zukunft macht - denn man darf nicht vergessen, dass die Schweiz nach 1966 bis 1994 nie an einer WM-Endrunde teilnehmen konnte, die Qualifikation 1994 an sich eine riesige Sensation war - und die Teilnahme an der EM-Endrunde 1996 die erste war, an der sie überhaupt dabei war. Es ist ein unglaublicher Fortschritt für das Team, dass man es auch 2004 an die EM und 2006 an die WM geschafft hat.

Ausserdem haben wir jetzt die Chance zu beweisen, dass wir auch gute und faire Gastgeber sein können, wenn das eigene Team ausgeschieden ist. Gute Stimmung verbreiten wenn es selbst gut läuft ist das eine - aber mitfeiern, wenn es bei anderen um die Wurst geht, zeigt Klasse. Ich bin überzeugt, dass diese Klasse in der Schweiz da ist.

Zumindest in Bern wird hier am Freitag und am nächsten Dienstag noch einmal eine orange Party steigen. Dafür werden nicht nur die holländischen Fans sorgen, sondern auch die zahlreichen Einheimischen, die sich klammheimlich mit den sympathischen Gästen solidarisiert haben.

Für mich ist jedenfalls das EURO-Fieber heute noch keineswegs vorbei!

Und wenn ich schon dabei bin: Drückt morgen doch Co-Gastgeber Österreich die Daumen! Es wäre schön, wenn wenigstens einer noch die Chance hätte, weiterzukommen. Auch wenn oder gerade weil Österreich das wohl am meisten unterschätzte Team im ganzen Turnier ist.
11.6.08 23:35


Bilder der orangen Invasion

Wie versprochen, ein paar Eindrücke von Montag.

Die Fanmeile vor dem Ansturm:
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und nachher:

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Oranje-Fans beim Berner Chindlifrässerbrunnä:

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Und das Hilfspersonal war auch kaum von der Masse zu unterscheiden:

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Ein oranger Hut reichte, um die Fans der Security wohlgesinnt zu stimmen:

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Auch Schottland hat Supporter nach Bern geschickt:

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Hier das ganze Ausmass am Zytglogge:

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Und hier noch ein Statement wohl von Einheimischen:

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11.6.08 00:13


Schweizerische Sauberkeit

Als ich heute früh im Tram zur Arbeit fuhr, war die Stadt schon wieder in weiten Teilen wie immer. Die Installationen der Public-Viewing-Zonen in der Innenstadt und die penetrante Alkoholfahne, die noch über der Stadt zu hängen schien, waren das einzige, was noch an die orange Invasion vom Vorabend erinnerte.

Ich muss zugeben, diese Effizienz machte mir etwas Angst. Gestern noch waren bis in die frühen Morgenstunden orangegekleidete Fans ausgeflippt und haben den Sieg der holländischen Mannschaft gefeiert - und heute sah die Stadt wieder so blitzblank aus, wie die meisten ausländischen Städte in ihrer ganzen Existenz nie waren.

Es sieht fast so aus, als würden die Schweizer nur erlauben, auch mal auszuflippen, wenn man hinterher sofort die Spuren wieder verwischt.

Jedes Mal, wenn ich aus dem Ausland wieder zurückkomme, freue ich mich darüber, dass hier in der Schweiz alles genauso läuft, wie es geplant wird, dass ich mich auch als junge Frau nachts ohne Angst alleine auf die Strasse wagen kann und dass man nicht dauernd auspassen muss, wohin man tritt.

Trotzdem wirkt diese effiziente Sauberkeit etwas neurotisch. Ephraim Kishon hat mal eine Satire darüber geschrieben, wie unmöglich es für ihn gewesen sei, in Zürich seinen Abfall wegzuschmeissen - die Abfalleimer seien nämlich nur zur Dekoration da, seinen Abfall müsse man selbstverständlich mitnehmen. Ein Fünkchen Wahrheit ist darin - wenn man die politischen Debatten um "Littering" (ein furchtbares Wort, vor allem, wenn es auch noch in der Verbform benutzt wird - "er hat gelittert") und "Vandalismus von Jugendlichen" hört, bei denen man meinen könnte, die Schweiz würde bald wie Neapel unter Bergen von Abfall versinken. Leute - niemand ist weiter davon entfernt als wir! (Gut, Singapore ist wohl eine ernstzunehmende Konkurrenz, aber die schaffen das nur mit rigoroser Gesetzgebung. Die Schweizer machen das auch noch freiwillig!)

Aber das ist auch etwas, das passiert, wenn ein Land keine echten Probleme hat und sich jenen, die es hat, beharrlich verweigert und Vogel Strauss spielt. Das hat aber nichts mit der EURO und auch nichts mit Fussball zu tun.
10.6.08 23:42


ORANJE!

In Bern gibt es seit heute nur eine Farbe: Orange!
Es ist wirklich unglaublich, was hier gerade abgeht. Schon, als ich nach der Arbeit auf die Strasse kam, war die Innenstadt und der ganze Weg bis zu meiner Wohnung voller Leute und alle in Orange.

Bern hat definitiv eine Heimmannschaft - und es ist nicht die Schweiz. Es wäre wirklich schwierig, sich hier nicht mitreissen zu lassen. In den Seitenstrassen reiht sich Wohnmobil um Wohnmobil - meine Schwester, die heute Mittag am Bahnhof war, sagt, man hätte nur Orange gesehen.

Die Stimmung ist ausgelassen und bisher absolut friedlich hier.

Allerdings sind wir heute auch mit der typisch schweizerischen Pedanterie in Kontakt. Wir haben uns das Spiel im ersten Stock eines Cafés direkt bei der Fanzone angesehen - die Fanzone war längst übervoll gewesen. Erstmal wurde der Breitbildschirm in dem Café pünktlich zu Beginn des Spiels ausgeschaltet, weil irgendwer (die Stadt oder die UEFA oder wer immer?) es verboten hatte.

Überpünktlich, genau auf den Glockenschlag um 22 Uhr ging dann auch noch das Licht aus und die bemitleidenswerten Angestellten des Cafés mussten das Haus räumen. Obwohl es beim Ausgang kaum ein Durchkommen gab und die zweite Halbzeit nur noch etwa 20 Minuten dauerte. Ich bin überzeugt, in jedem anderen verdammten Land dieser Welt hätten sie ein Auge zugedrückt und die Leute den Match zu Ende sehen lassen. Aber nicht in der Schweiz. Die Angestellten haben tatsächlich die Polizei gerufen um die Leute aus dem Haus zu werfen...

tja, deswegen hatten wir dann auch das 3:0 der Oranjes gegen die Italiener verpasst. Wir waren schon unterwegs nach Hause. Ich entschuldige mich hiermit auch offiziell bei allen Gästen für die "Tüpflischiisseri" meines Landes.

Dennoch: an diesem ersten Spieltag hier stand Bern Kopf und es kann ruhig die nächsten zwei Spielen ebenfalls so werden. Und natürlich drücken wir der "Heimmannschaft" die Daumen.

Bilder kommen dann morgen.
10.6.08 00:03


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